So eröffnen Sie als internationale Fachkraft ein Bankkonto in Österreich

Stefanie Massak-Bachbauer
Der neue Mietvertrag ist unterschrieben, die Umzugskisten sind gepackt und die Vorfreude wächst ins Unermessliche: Österreich ist für seine einmalige Kultur, vielfältige Landschaft und tollen Arbeitsbedingungen bekannt. Steht Ihnen als Fachkraft das Abenteuer Österreich bevor, darf das passende Bankkonto vor Ort natürlich nicht fehlen. Dabei ist es gar nicht so einfach, sich in dem Dschungel an Möglichkeiten zurecht zu finden. Natürlich muss bei der Kontoeröffnung einiges beachtet werden. Was Sie genau tun müssen, um unkompliziert und schnell ein Bankkonto in Österreich zu eröffnen und was Sie zum Thema Zahlungsabwicklung in Österreich noch wissen sollten, haben wir Ihnen in diesem Beitrag zusammengefasst.

Welche Dokumente benötigen Sie, um ein Konto in Österreich zu eröffnen?

Vorweg sei gesagt: Es gibt in Österreich keine speziellen Girokonten für Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus dem Ausland. Denn die Staatsbürgerschaft ist kein Unterscheidungsmerkmal. Aus steuerlichen Gründen wird jedoch Ihre Ansässigkeit bzw. Ihr Wohnsitz unter die Lupe genommen. Doch bei der Abwicklung der Kontoeröffnung gibt es eigentlich keine wesentlichen Unterschiede. Denn EU-Bürgerinnen bzw. -Bürger sowie Österreicherinnen bzw. Österreicher müssen sich gleichermaßen für Bankgeschäfte legitimieren. Sollten Sie die Kontoeröffnung in einer anderen Sprache als Deutsch vornehmen wollen, macht es durchaus Sinn, sich bei der Bank der Wahl vorher zu erkundigen.

Generell ist es sehr leicht, ein Konto als Fachkraft in Österreich zu eröffnen. Viele Banken ermöglichen es auf einfache Weise, dass Sie als potenzielle Kundin bzw. potenzieller Kunde alle Vorbereitungen zur Kontoeröffnung bereits online treffen und sich im Internet über mögliche Produkte informieren. In der Regel wird bei einem anschließenden persönlichen Termin in einer Bankfiliale bzw. Geschäftsstelle die Kontoeröffnung durchgeführt. Kurze Zeit später erhalten Sie Ihre Bankkarte, in Österreich Bankomatkarte genannt und Ihre Zugangsdaten zum Online Banking getrennt per Post zugeschickt. Alternativ ermöglichen manche Banken die Identifizierung per Videotelefonie oder mittels der Überweisung eines geringen Betrages. Dies dient dem Datenabgleich mit der aktuellen Hausbank. Wenn Sie noch nicht in Österreich wohnen oder viel reisen müssen, kann diese Form der Kontoeröffnung eine praktische Option sein. Auch hier erhalten Sie alle notwendigen Unterlagen und Ihre Bankomatkarte auf dem Postweg.

Sie sind sich unsicher? Dann rufen Sie bei der Bank Ihrer Wahl einfach an, um den genauen Ablauf und die benötigten Unterlagen in Erfahrung zu bringen. Für Nicht-EU-Bürgerinnen und Nicht-EU-Bürger können Ausnahmen gelten.

Um eine Kontoeröffnung vorzunehmen, sollten Sie in der Regel die folgenden Dokumente bereithalten:

  •  Amtlicher Lichtbildausweis wie Reisepass oder Personalausweis
  • Meldezettel oder anderer gültiger Nachweis des Wohnsitzes
  • Arbeitsvertrag bzw. Beschäftigungsnachweis
  • die drei letzten Gehaltsnachweise

Auswahl der richtigen Bank

Welche Bank die richtigen Rahmenbedingungen für Sie erfüllt und die besten Produkte anbietet, hängt stark von Ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten ab. Haben Sie viele Buchungen im Jahr? Benötigen Sie eine Kreditkarte? Wie häufig heben Sie Bargeld ab? Auf welchen Service legen Sie Wert?

Mit über 800 ausgewiesenen Kreditinstituten besitzt Österreich eines der dichtesten Bankennetze in Europa. Bei den umfangreichen Angeboten der Banken einen Überblick zu behalten und die Kosten richtig einzuschätzen, ist kein leichtes Unterfangen.

Aus diesem Grund sieht die EU-Zahlungskonten-Richtlinie vor, dass es in jedem EU-Mitgliedsland und somit auch in Österreich zumindest eine Website gibt, die Preisvergleiche zu Girokonten aufführt.

Nutzen Sie denVergleichsrechner der Arbeiterkammer, um eine unabhängige und neutrale Übersicht zu bekommen. Hier können sich nicht nur große Banken mit ihren Produkten eintragen, sondern Sie sehen auch die Angebote kleinerer Regionalbanken. Zu den größten Banken Österreichs zählen:

  • Erste Group Bank AG
  • Raiffeisen Bank International AG
  • UniCredit Bank Austria
  • BAWAG Group AG

Online Alternativen: Internet Banking in Österreich

Das Geschäft mit dem Online Banking boomt in Österreich. Mit rund 63 Prozent erledigt mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher ihre Bankgeschäfte online oder per App am Smartphone. Ein Online-Konto in Österreich ist nicht nur praktisch, sondern auch eine kostengünstige Alternative zum Geschäft am Bankschalter. Laut einerBerechnung der Arbeiterkammer sparen sich Inhaberinnen und Inhaber eines Online-Kontos circa 30 Euro Spesen pro Jahr. Allerdings kann es schnell zu zusätzlichen Kosten kommen, etwa wenn Sie Bargeld am Schalter abheben oder andere persönliche Services in Anspruch nehmen wollen. Machen Sie sich also mit den Konditionen vertraut und vergleichen Sie die Anbieter aufmerksam. Dabei sollten Sie die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

  • Wie viele Transaktionen führen Sie jährlich circa durch und welche sind es?
  • Benötigten Sie eine persönliche Betreuung in einer Filiale?
  • Welche Spesen fallen bei welcher Bank an? Vergleichen Sie!

Ihnen fällt die Wahl schwer? Dann nutzen Sie die Auswertungen des BankenRankings in Österreich. Hier finden Sie eine Auflistung von mehr als 500 Banken, die nach den drei Kriterien Unabhängigkeit, Sicherheit und Ertragskraft auf Basis der Bilanz 2017 bewertet wurden. In der Liste finden Sie ebenfalls eine Vielzahl von Online Banken, die vielleicht für Sie in Frage kommen.

Rechtsanspruch auf ein Zahlungskonto – das sogenannte Basiskonto

Sollten Sie für ein Girokonto nicht in Frage kommen und hat die Bank Ihre Anfrage zur Eröffnung eines Girokontos abgelehnt, müssen Sie von dieser aktiv auf die Möglichkeit des Basiskontos hingewiesen werden. Seit 2016 hat in Österreich jede Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union das Anrecht auf ein Konto, um den eigenen Zahlungsverkehr abwickeln zu können. Dieses Konto ist eine Alternative für Personen, die aufgrund von Bonitätsproblemen oder eines Privatkonkurses kein Girokonto eröffnen können.

Das Basiskonto kann bei jeder Bank eröffnet werden, die Girokonten für Verbraucherinnen bzw. Verbraucher führt. Für ein sogenanntes Basis-Girokonto müssen Sie nicht einmal in Österreich arbeiten oder hier mit Ihrem Wohnsitz gemeldet sein. Nur wenn diese beiden Gründe zutreffen, darf Ihnen die Bank eine Kontoeröffnung verwehren:

  • Sie haben bereits ein aktives Girokonto in Österreich.
  • Es wurde eine strafbare Handlung begangen, welche die Bank oder Angestellte der Bank betrifft und zu der zumindest Anklage erhoben wurde.

Darüber hinaus müssen die Kreditinstitute Ihnen alle Informationen zu dem Basiskonto und den Vertragsbedingungen zur Verfügung stellen. Das gilt auch bei sprachlichen Hürden, zum Beispiel bei Personen aus EU-Mitgliedstaaten, für welche die Abwicklung von Bankgeschäften in einer Fremdsprache eine große Herausforderung sein kann.

Die Banken sind in solchen Fällen zur kostenlosen Hilfe bei der Kontoeröffnung verpflichtet. Das Basiskonto darf von außen übrigens nicht  als solches erkennbar sein, zum Beispiel durch einen speziellen IBAN. Hinsichtlich der Leistungen unterscheidet es sich nicht wesentlich von anderen Girokonten. Es kann allerdings nicht überzogen werden.

Das Projekt "Konto für Jedermann" geht auf eine Initiative der Arbeiterkammer zurück. Als einer der vier Sozialpartner in Österreich setzt sich die Arbeiterkammer für gerechte und faire Anstellungsverhältnisse für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hierzulande ein.

SEPA Überweisungen und Auslandszahlungen

SEPA steht für Single Euro Payments Area und umfasst die Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs in Europa seit dem Jahr 2014. Somit können Sie im SEPA-Raum Zahlungen in Euro ganz einfach vornehmen oder Zahlungen erhalten. Gerade für Fachkräfte ist dies eine besondere Erleichterung. Sie benötigen für SEPA-Zahlungen lediglich Ihre internationale Kontonummer, kurz IBAN und die IBAN der Zahlungsempfängerin bzw. des Zahlungsempfängers. Nur für Zahlungen außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) müssen Sie zusätzlich die Kennung Ihrer Bank angeben, auch BIC oder SWIFT genannt. Der SEPA-Raum umfasst alle EU-Mitgliedsstaaten, die EFTA-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz sowie Andorra, Monaco, San Marino und Vatikanstadt. SEPA-Überweisungen sind in der Regel kostenlos. Bei Fragen diesbezüglich wenden Sie sich am besten direkt an Ihre Bank.

Darüber hinaus können Sie natürlich Auslandsüberweisungen in andere Länder tätigen. Diese Zahlungsaufträge in Fremdwährungen führt die Bank zum ehestmöglichen Devisenkurs durch. Für Auslandsüberweisungen fallen normalerweise Kosten an, die Sie ebenfalls vorab in Erfahrung bringen sollten.

Sie haben nun mehr Klarheit, was das Thema Girokonto in Österreich betrifft? Erfahren Sie, worauf Sie sich nochim Land mit der höchsten Lebensqualität freuen dürfen.

Stefanie Massak-Bachbauer
Data Driven Marketing

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