Berufsanerkennungen

Bei der Berufsanerkennung geht es darum, im Ausland erworbene Qualifikationen (z.B. Studienabschluss, Schulabschluss, Lehrabschluss) für eine Tätigkeit in Österreich anerkennen zu lassen.

Je nachdem, für welchen Bereich Sie Ihre Qualifikation anerkennen lassen möchten und wo Sie diese erworben haben, gibt es unterschiedliche Verfahren, die Sie durchlaufen können bzw. müssen. In vielen Fällen müssen Sie solche Verfahren durchlaufen, bevor Sie in Österreich arbeiten dürfen.

 

Berufliche Anerkennung/Berufszulassung

Damit dieses Verfahren zur Anwendung kommt, müssen Sie Ihre Qualifikation in der EU/im EWR oder in der Schweiz absolviert haben. Für einige Berufe kommt eine automatische Anerkennung in Frage, bei der nur mehr die Echtheit des vorgelegten Zeugnisses geprüft wird, bei anderen wird die Gleichwertigkeit von der Behörde geprüft.

Nostrifizierung von Studienabschlüssen für reglementierte Berufe

Wenn Ihr Abschluss nicht in der EU erworben wurde und es auch kein bilaterales Abkommen gibt, muss Ihr Abschluss hinsichtlich seiner Gleichwertigkeit mit einem österreichischen Abschluss geprüft werden.

Hinweis

Im Allgemeinen ist ein Beruf reglementiert, wenn Sie einen bestimmten Abschluss haben, besondere (beispielsweise staatliche) Prüfungen ablegen oder sich bei einer Berufsorganisation registrieren lassen müssen, bevor Sie ihn ausüben dürfen. Klassische Beispiele dafür sind: Ärztinnen und Ärzte, Beamtinnen und Beamte, Lehrerinnen und Lehrer, Wirtschaftstreuhänderinnen und Wirtschaftstreuhänder, Zivilingenieurinnen und Zivilingenieure sowie bei der (selbstständigen) Ausübung von reglementierten Gewerben wie Elektrotechnik, Gas- und Sanitärtechnik.

Bewertung von ausländischen Studienabschlüssen

Wenn Ihr Beruf in Österreich nicht reglementiert ist, können Sie Ihren Abschluss (freiwillig) bewerten lassen. Sie erhalten dann ein Gutachten, welches Sie z.B. dem Arbeitsmarktservice oder Ihrem zukünftigen Arbeitgeber vorlegen können.

Gleichhaltung von Lehrberufsabschlüssen

Im Ausland erworbene berufliche Qualifikationen können mit einem österreichischen Lehrabschluss (gegebenenfalls durch Ergänzungsprüfungen in Österreich) gleichgehalten werden.

Wann muss ich meine Qualifikation anerkennen lassen?

ob Ihr Beruf/Ihre Qualifikation in Österreich reglementiert ist.

Wenn Ihr Beruf/Ihre Qualifikation in Österreich nicht reglementiert ist, ist grundsätzlich keine Anerkennung verpflichtend notwendig.


Beispiel

Die Ausbildung bzw. Berufsausübung von Yogalehrerinnen und Yogalehrern ist in Österreich nicht reglementiert. Daher müssen Sie Ihre Yogalehrerausbildung in Österreich nicht anerkennen lassen, um in Österreich als Yogalehrer tätig zu sein.


Hinweis

Eine Bewertung – eine freiwillige Anerkennung – kann trotzdem sinnvoll sein, z.B. wenn es um die Einordnung von Qualifikationen in Kollektivverträge, die Einordnung in betrieblichen Gehaltsschemata oder um die Beschäftigung im öffentlichen Bereich geht.


Wenn Sie Ihre Qualifikation in einem EU-/EWR-Staat abgeschlossen haben, wird grundsätzlich angenommen, dass Ihre Ausbildung mit der österreichischen gleichwertig ist. Dieser Vorgang im Zusammenhang mit EU-Ausbildungen wird berufliche Anerkennung bzw. Berufszulassung genannt.

  • Die Ausbildung wird dann automatisch anerkannt (nur bei Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern, Hebammen, Zahnärztinnen und Zahnärzten, Apothekerinnen und Apothekern, Architektinnen und Architekten, Tierärztinnen und Tierärzten).
  • Sonst wird die Gleichwertigkeit im Einzelfall geprüft und gegebenenfalls durch Ergänzungsprüfungen in Österreich hergestellt.

Wenn Sie Ihre Ausbildung nicht in einem EU-/EWR-Staat abgeschlossen haben, dann wird nicht grundsätzlich angenommen, dass Ihre Ausbildung mit der österreichischen gleichwertig ist. Dieser Vorgang im Zusammenhang mit Ausbildungen in Drittstaaten wird Nostrifizierung (bzw. bei Schulausbildungen: Nostrifikation) genannt.

Ihre Ausbildung kann jedoch trotzdem durch Gleichstellung in bilateralen Abkommen (z.B. mit Bosnien und Herzegowina, China, Kosovo, Mongolei, Montenegro, Schweiz, Serbien) als gleichwertig gelten. Je nach Inhalt des Abkommens können aber zusätzliche Voraussetzungen für die Anerkennung vorliegen.

Die Gleichwertigkeit der Ausbildung wird sonst im Einzelfall auch geprüft und gegebenenfalls durch Ergänzungsprüfungen in Österreich hergestellt werden.


Hinweis

Wenn die Ausbildung nicht in der EU oder dem EWR absolviert wurde, wird jeder Antrag individuell geprüft. Kriterien sind zum Beispiel Dauer der Ausbildung, Inhalt der Ausbildung, Tätigkeitsfeld, Berufserfahrungen, Abschluss der Ausbildung, etc. Wenn die Ausbildung den Umfang der österreichischen Ausbildung um mehr als 50 % unterschreitet, kann dies nicht durch Ergänzungsprüfungen ausgeglichen werden.


Achtung

In den Gesundheitsberufen sind Sprachkenntnisse in Deutsch (mindestens auf dem Niveau B2 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens) ein zusätzliches Anstellungserfordernis! Sie müssen das aber erst für die Berufsausübung selbst nachweisen, nicht für die Anerkennung Ihrer Ausbildung.


Achtung

Wenn Sie einen reglementierten Beruf in Österreich ausüben möchten und eine Gleichwertigkeit Ihrer Qualifikation (z.B. durch Ihren Studienabschluss in einem EU-Land) besteht, müssen Sie trotzdem einen Antrag bei der zuständigen Behörde stellen, der Ihnen die Gleichwertigkeit bestätigen muss. Welche Behörde konkret zuständig ist, hängt davon ab, um welchen Beruf es sich handelt.


Berufliche Anerkennung bzw. Berufszulassung in der EU

Wenn Sie in Ihrem Herkunftsland das Berufsrecht für Ihren Beruf erworben haben und jetzt in Österreich in diesem Beruf arbeiten wollen, der eine sogenannte "reglementierte" Tätigkeit ist, erfordert dies in der Regel weitere Schritte. Je nachdem, welchen Beruf Sie ausüben wollen, müssen Sie z.B. ein Studium oder einen Lehrabschluss haben. In Österreich gibt es viele reglementierte Berufe, für die jeweils unterschiedliche Stellen zuständig sind. Diese Stellen sind auch für das jeweilige Anerkennungsverfahren zuständig.

Abhängig von der Art der reglementierten Berufe gibt es folgende Formen der beruflichen Anerkennung:


Anerkennung bzw. Gleichhaltung von Berufsqualifikationen durch den Vergleich mit österreichischen Qualifikationsanforderungen

Allgemein gilt:

Die Anerkennung von Berufsqualifikationen (insbesondere für die Ausübung von Gewerben) innerhalb der EU kann durch eine Gleichartigkeitsprüfung erfolgen. Diese wird von der Behörde – im Sinne einer Nostrifizierung – geprüft, wenn es sich nicht um eine Qualifikation handelt, die automatisch anerkannt wird.


Automatische“ Anerkennung auf Grundlage entsprechender Ausbildungserfahrungen

Für einige Berufe gilt, dass die Qualifikationen von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern, EWR-Bürgerinnen und Bürgern sowie von Staatsangehörigen der Schweiz „automatisch“ anerkannt werden, sofern sie in ihrem Herkunftsstaat das entsprechende Berufsrecht erworben haben, also den Beruf in ihrem Herkunftsstaat selbstständig ausüben dürfen. Es spielt keine Rolle, ob die Berufsausübung in Österreich als Selbstständige/Selbstständiger oder als Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer erfolgen soll.

Die Qualifikationen von

  • Ärztinnen und Ärzten
  • Krankenschwestern und -pflegern
  • Hebammen
  • Zahnärztinnen und Zahnärzten
  • Apothekerinnen und Apothekern
  • Architektinnen und Architekten und
  • Tierärztinnen und Tierärzten

werden „automatisch“ anerkannt. Das bedeutet, dass Sie Ihren Qualifikationsnachweis (beglaubigte Kopie und zertifizierte Übersetzung) einreichen und die Genehmigung der österreichischen Behörden abwarten müssen. Die Behörden überprüfen dabei nicht die Ausbildung, sondern nur die Echtheit der Dokumente. Erst nach der Genehmigung dürfen Sie Ihre Tätigkeit in Österreich ausüben.

Voraussetzung dafür ist je nach Beruf z.B. der Abschluss eines Universitäts-Studiums, der Abschluss weiterer Berufsausbildungen (z.B. in Österreich die Induktionsphase für Lehrerinnen und Lehrer oder die Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte nach ihrer Promotion) und das Bestehen eines unmittelbaren Berufsrechtes für eine entsprechende Tätigkeit.

Bitte beachten Sie, dass die zuständige Behörde neben solchen Berufsbefähigungszeugnissen auch andere Unterlagen verlangen kann!


Hinweis

Als Krankenpflegerin/Krankenpfleger für allgemeine Pflege oder als Apothekerin/Apotheker können Sie den Europäischen Berufsausweis (EBA) – ein schnelles und vereinfachtes elektronisches Verfahren – zum Einreichen Ihrer Unterlagen, zur Verfolgung Ihrer Online-Anträge und Wiederverwendung bereits hochgeladener Unterlagen nutzen.


Beispiel

Sie sind französische Staatsangehörige und haben an einer Universität in Paris (Fakultät Paris XI) Ihr Studium als Hebamme abgeschlossen. Die Ausbildung entspricht der EU-Berufsanerkennungsrichtline. Wenn Sie nun in Österreich als Hebamme arbeiten möchten (egal, ob angestellt oder selbstständig) wird Ihr Studium grundsätzlich automatisch anerkannt. Das bedeutet, Sie müssen einen Antrag auf Anerkennung bei der zuständigen österreichischen Behörde (Österreichisches Hebammengremium Bundesgeschäftsstelle – Hebammenregister) stellen und Ihr Studiendiplom beilegen. Die Behörde führt dann keine inhaltliche Prüfung mehr durch, sondern bestätigt nur, dass die von Ihnen vorgelegten Dokumente echt sind. Sobald Sie die Bestätigung haben, können Sie als Hebamme in Österreich arbeiten.


Anzeige grenzüberschreitender Dienstleistungen

Die Anzeige grenzüberschreitender Dienstleistungen ist nur eine Möglichkeit, wenn die Tätigkeit nur vorübergehend und gelegentlich ausgeübt wird und Sie sich nicht in Österreich niederlassen wollen.

Bei Tätigkeiten auf dem Gebiet von in Österreich reglementierten Gewerben (z.B. Bäckerin/Bäcker, Bodenlegerin/Bodenleger, Kosmetikerin/Kosmetiker) ist eine Anzeige über die Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen bzw. deren Kenntnisnahme durch das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort erforderlich.


Hinweis

Eine grenzüberschreitende Dienstleistung erbringen Sie dann, wenn Sie eine Tätigkeit in einem anderen EU-Mitgliedsstaat vorübergehend gewerblich (also selbstständig) ausüben. Wenn Sie als Dienstleister Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer entsenden, gelten zusätzlich die Bestimmungen für die Entsendung (Link).


Hinweis

Die Anzeige ist einmal jährlich zu erneuern, wenn Sie als Unternehmen beabsichtigen, während des betreffenden Jahres in Österreich Dienstleistungen zu erbringen. Die jährliche Erneuerung der Anzeige wird in das Dienstleisterregister eingetragen.


Achtung

Nur wenn

  • die gewerbliche Tätigkeit sowohl in Österreich als auch im Herkunftsland reglementiert ist
  • oder eine reglementierte Ausbildung vorliegt
  • oder Sie die gewerbliche Tätigkeit mindestens ein Jahr während der vorhergehenden zehn Jahre in Ihrem Herkunftsland ausgeübt haben

müssen Sie Ihre Qualifikation nicht anerkennen bzw. nostrifizieren lassen.

Die wichtigsten Formulare finden Sie hier.


Hinweis

Wenn Sie bereits zehn Jahre lang in Tschechien durchgehend als Baumeisterin gearbeitet haben und für einen Auftrag vorübergehend in Österreich tätig werden, müssen Sie Ihre Tätigkeit in Österreich beim Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort anzeigen. Sie müssen Ihre Ausbildung als Baumeisterin in Österreich nicht anerkennen bzw. nostrifizieren lassen. Sie müssen aber warten, bis die Anzeige bestätigt wurde, bevor Sie mit Ihrer Arbeit in Österreich beginnen können. Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort hat einen Monat Zeit, um die Anzeige zu überprüfen.


Achtung

Nur Staatsangehörige eines Mitgliedsstaates der EU und des EWR können sich in der Regel auf diese Bestimmungen berufen, weil sie sich auf die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie stützen.


Im Gegensatz zur Bewertung handelt es sich bei der Nostrifizierung um eine formale Anerkennung, mit unmittelbarer Rechtswirkung: Mit der Nostrifizierung wird ein ausländischer Studienabschluss völlig gleichgestellt mit dem Abschluss eines österreichischen Bachelor-, Master-, Diplom- oder Doktoratsstudiums. Sie haben damit also das Recht, den Beruf auszuüben, der in Österreich mit diesem Studienabschluss verbunden ist, und den entsprechenden österreichischen akademischen Grad zu führen.

Sie brauchen eine Nostrifizierung z.B. dann, wenn Sie selbstständig in einem Gewerbe tätig werden möchten.


Nostrifizierung von Hochschulabschlüssen bzw. ausländischen akademischen Graden

 

Um einen Antrag zur Nostrifizierung (Anerkennung) stellen zu können, muss in Österreich der Nachweis für die Notwendigkeit der Nostrifizierung erbracht werden.

  • Die Nostrifizierung beruht auf einem Vergleich der Studienpläne. Wenn keine Nostrifizierung möglich oder notwendig ist, können Sie Ihren Abschluss bewerten lassen oder die Gleichwertigkeit feststellen lassen.
  • Zuständig ist die jeweilige Universität, Fachhochschule bzw. Pädagogische Hochschule, mit deren Abschluss ein ausländischer Grad gleichgehalten werden soll. Ein Nostrifizierungsantrag darf nur einmal an einer einzigen österreichischen Hochschule gestellt werden. Sie können sich auf www.nostrifizierung.at genauer über diese Verfahren informieren. 

Hinweis

Eine Nostrifizierung ist in der Regel notwendig:

  • für Hochschulabschlüsse, die innerhalb der EU erworben wurden: Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie eine Tätigkeit im öffentlichen bzw. im gesetzlich reglementierten Bereich (z.B. als Zivilingenieurin/Zivilingenieur, Rechtsanwältin/Rechtsanwalt, Lehrerin/Lehrer oder in bestimmten Gewerben) anstreben oder Sie Ihr Diplom in einem EU/EWR-Staat bzw. in der Schweiz erworben haben und dort bereits ein vergleichbares Berufsrecht besitzen.
  • wenn Sie in einem Land studiert haben, mit dem ein bilaterales Abkommen besteht, das die Gleichwertigkeit der Studienabschlüsse garantiert (z.B. mit Bosnien und Herzegowina, China, Kosovo, Mongolei, Montenegro, Schweiz, Serbien). In diesem Fall ist meist nur eine Feststellung der Gleichwertigkeit notwendig. Die Gleichwertigkeit muss nicht mehr inhaltlich überprüft, sondern nur noch administrativ bestätigt werden. Zuständige Stelle dafür ist ENIC NARIC Austria im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.
  • wenn Ihre Qualifikation/Ihr Beruf in Österreich nicht reglementiert ist. Sie können aber eine (freiwillige) Bewertung Ihrer Qualifikation vornehmen lassen.
  • wenn Sie ein reglementiertes Gewerbe nicht selbstständig, sondern als Angestellte oder Angestellter ausüben möchten.

Achtung

Freie Berufe (wie z.B. die Tätigkeit als Ärztin oder Arzt, Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt, Musikerin oder Musiker) sind keine Gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung! Für einige freie Berufe regeln eigene Rechtsvorschriften die selbstständige und in vielen Fällen auch unselbstständige Berufsausübung (Ärztegesetz, Rechtsanwaltsordnung, Ziviltechnikergesetz etc.). Die Aufnahme der Berufstätigkeit muss eigenen Interessensvertretungen (z.B. Kammern) gemeldet werden, die oft die Eintragung in eine Liste (z.B. Ärzteliste) vorsieht. Dafür sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, die meist eine Nostrifizierung des in einem Drittstaat erworbenen Studienabschlusses vor. Für andere freie Berufe, wie z. B. Künstlerin oder Künstler, Schriftstellerin oder Schriftsteller, Journalistin oder Journalist bestehen keine besonderen Rechtsvorschriften und Meldepflichten.


Beispiel

Sie sind brasilianische Staatsangehörige und haben an der Universität in Sao Paolo Medizin studiert. Sie möchten nun in einem Krankenhaus in Wien als Ärztin arbeiten. Um in Österreich als Ärztin tätig werden zu können, müssen Sie Ihren Universitätsabschluss nostrifizieren lassen. Das Ärztegesetz setzt nämlich sowohl für eine selbstständige als auch eine unselbstständige Tätigkeit als Ärztin in Österreich grundsätzlich den Abschluss eines österreichischen Medizinstudiums oder eines gleichwertigen, im Ausland erworbenen und in Österreich nostrifizierten akademischen Grad voraus. Ausnahme: Ein in der EU absolviertes Medizinstudium wird automatisch anerkannt. Sie müssen außerdem ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen.


Wenn Sie in Österreich studieren möchten, können Sie außerdem eine Nostrifikation Ihres ausländischen Schulzeugnisses bzw. Maturazeugnisses beantragen. Die Nostrifikation von ausländischen Schulzeugnissen und Reifezeugnissen zielt auf die möglichst vollständige Gleichhaltung der Inhalte vorgelegter Zeugnisse mit österreichischen Lehrplänen ab. Größere Abweichungen müssen durch Ergänzungsprüfungen ausgeglichen werden. Es gibt außerdem bilaterale Abkommen, mit denen bestimmte Schulabschlusszeugnisse als gleichwertig anerkannt werden. In diesen Fällen muss die Gleichwertigkeit nicht mehr inhaltlich überprüft, sondern nur noch administrativ bestätigt werden. Die administrative Bestätigung erfolgt direkt durch die Universität, Fachhochschule bzw. Pädagogische Hochschule, an der Sie studieren möchten.

Zuständige Stelle ist das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.


Die Bewertung ist kein Bescheid und keine formale Anerkennung, also ist sie nicht bindend. Die akademische Wertung ausländischer Diplome kann aber trotzdem sehr hilfreich und unterstützend sein, z.B. bei der Arbeitssuche und im Bewerbungsverfahren.

Die Bewertung eines ausländischen Hochschuldiploms zu beantragen ist oft dann sinnvoll, wenn keine Nostrifizierung notwendig oder möglich ist. Die Ausstellung ist kostenpflichtig:

  • €150,- für die Bewertung von bis zu zwei Qualifikationen pro Antrag
  • €200,- für die Bewertung von drei oder mehr Qualifikationen pro Antrag

Das Bewertungsgutachten enthält z.B. folgende Inhalte: Informationen zur Ausbildungsinstitution, grundsätzliche Einstufung (Niveau, Umfang der Ausbildung etc.) und Vergleich mit österreichischen Studienabschlüssen. 

Zuständige Stelle ist das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, genauer: ENIC NARIC AUSTRIA – Nationales Informationszentrum für akademische Anerkennung. Die Antragstellung erfolgt online unter www.aais.at


Beispiel

Sie sind serbische Staatsangehörige und haben an der Universität Belgrad Informatik im Bachelor studiert. Durch einen Ausbildungsschwerpunkt und Berufserfahrung haben Sie besondere Kenntnisse als Programmiererin. Sie haben nun ein Jobangebot als Programmiererin einer österreichischen Firma und Ihr zukünftiger Arbeitgeber möchte für Sie gerne eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Fachkräfte in Mangelberufen (Technikerin mit höherer Ausbildung für Datenverarbeitung) beantragen. Dieser Beruf ist nicht reglementiert, eine Nostrifizierung ist daher nicht möglich. Die Bewertung Ihres Studiendiploms ist in diesem Fall aber eine Option, da Sie für den Mangelberuf eine höhere Ausbildung nachweisen müssen.


Auch ausländische Schulabschlusszeugnisse können bewertet werden. Die Bewertung ausländischer Abschlusszeugnisse soll die Einschätzung von im Ausland erworbenen Schulabschlüssen erleichtern, sowie eine grundsätzliche Beurteilung der Vergleichbarkeit mit einem österreichischen Schulabschluss ermöglichen. Die Bewertung ersetzt nicht die Anerkennung von Qualifikationen für den Zugang zu gesetzlich geregelten Berufen oder die Nostrifizierung von Zeugnissen. Der Antrag ist kostenlos.  Zuständige Stelle ist das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Die Antragstellung erfolgt online unter: www.asbb.at.


Achtung

In allen Fällen ist es wichtig, dass Sie genügend Bearbeitungszeit einplanen. Ein Anerkennungsverfahren kann mehrere Wochen dauern. Außerdem kann es sein, dass Ihre Ausbildungsdokumente bestimmte Verifizierungen haben müssen, um anerkannt zu werden. Erkundigen Sie sich für alle Details bitte direkt bei der zuständigen Stelle bzw. Behörde.


Gleichhaltung von Lehrberufsabschlüssen


Sie müssen dafür gleichwertige fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten nachweisen, die dem österreichischen Berufsbild bzw. dem österreichischen Lehrabschluss entsprechen. Es muss dabei auch ein praktischer Anteil der Ausbildung nachgewiesen werden, der dem österreichischen Lehrabschluss entspricht. Dabei kann Berufserfahrung im In- und Ausland berücksichtigt werden.

Der Antrag auf Gleichhaltung kann zu einer vollen Gleichhaltung oder zur Zulassung zur verkürzten Lehrabschlussprüfung (praktische Prüfung und/oder Fachgespräch) bzw. Ergänzungsprüfungen (wenn Ausbildungsunterschiede bestehen) führen.

Einige in Deutschland, Ungarn oder Südtirol abgeschlossene Berufsausbildungen sind aufgrund von Berufsbildungsabkommen voll gleichgehalten.

Zuständig ist das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort.

Nähere Informationen finden Sie im Anerkennungs-Wegweiser.


Ausnahme: Wenn Sie Ihre Ausbildung in einem Gesundheits- und Krankenpflegeberuf in einem EU-/EWR-Staat oder in der Schweiz abgeschlossen haben, können Sie eine Anerkennung beim Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz beantragen.

Ihr im Ausland erworbenes Diplom ist erst dann nostrifiziert, wenn Sie alle im Nostrifizierungsprozess vorgeschriebenen Prüfungen (und gegebenenfalls Praktika) bestanden haben.

Wenn Ihre Ausbildung an der Fachhochschule nostrifiziert wird, können Sie eine Aufenthaltsbewilligung Student beantragen. Wenn Sie in einen Nostrifikationskurs (z.B. in Wien am AWZ, Schule für Gesundheits- und Krankenpflege) aufgenommen wurden, können Sie während dieses Verfahrens unter Umständen eine Aufenthaltsbewilligung Schüler bekommen.


Achtung

Während eines Nostrifikations- bzw. Nostrifizierungsverfahrens ist keine vorläufige Beschäftigung im Pflegebereich möglich. Sie können also in der Regel noch nicht in Ihrem Bereich arbeiten, solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist.


Hinweis

Mit einer Aufenthaltsbewilligung Schüler oder einer Aufenthaltsbewilligung Student dürfen Sie in einem anderen (nicht reglementierten) Berufsfeld in der Regel für maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür muss Ihr Arbeitgeber für Sie eine Beschäftigungsbewilligung beim AMS beantragen.

Mit der Eintragung in das Gesundheitsberuferegister haben Sie dann die volle Berufsberechtigung in Ihrem jeweiligen Beruf.

Sobald Sie einen Arbeitgeber gefunden haben, können Sie einen Antrag auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte als Fachkraft in einem Mangelberuf (Link) stellen bzw. eine Zweckänderung Ihres bisherigen Aufenthaltsbewilligung Schüler/Student beantragen.