Deutschkenntnisse

Drittstaatsangehörige, die nach Österreich einwandern oder die weiter in Österreich bleiben wollen, müssen unter bestimmten Umständen Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen.

Entscheidend ist die Einteilung der verschiedenen Sprachlevels nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen:

  •     Level A spiegelt eine elementare Sprachverwendung wider.
  •     Level B spiegelt eine selbständige Sprachverwendung wider.
  •     Level C spiegelt eine kompetente Sprachverwendung wider.

Jedes Level ist nochmals in zwei Stufen unterteilt. Es gibt also insgesamt sechs Levels: A1, A2, B1, B2, C1 und C2. Für Einwanderung und Aufenthalt sind Deutschkenntnisse bis zum Level B2 relevant.

Grundsätzlich gilt: Deutsch-Zertifikate müssen bei der Aufenthaltsbehörde vorgelegt werden. Sie dürfen in der Regel nicht älter als ein Jahr sein. Ausnahmen gibt es, wenn Sie z.B. in Österreich, Deutschland oder der Schweiz auf Deutsch ein Studium abgeschlossen haben. Diese Fälle sollten Sie direkt mit der Aufenthaltsbehörde abklären.

In Österreich ist vor allem der ÖIF (Österreichischer Integrationsfonds) für Deutsch-Zertifikate zuständig. Auf der Seite des ÖIF finden Sie Infomaterialien, Kursunterlagen, Probeprüfungen, anerkannte Deutsch-Institute und Prüfungstermine.

Deutsch vor Zuwanderung / Deutsch vor Zuzug

  • Drittstaatsangehörige, die eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus als Familienangehörige beantragen, wenn die Fachkraft in der Familie eine Rot-Weiß-Rot – Karte hat (Ausnahme: Rot-Weiß-Rot – Karte für Besonders Hochqualifizierte)
  • Drittstaatsangehörige, die den Aufenthaltstitel Familienangehöriger beantragen
  • Drittstaatsangehörige, die eine Niederlassungsbewilligung, Niederlassungsbewilligung – Angehöriger, Niederlassungsbewilligung – Künstler, Niederlassungsbewilligung – Sonderfälle unselbstständiger Erwerbstätigkeit oder Niederlassungsbewilligung – ausgenommen Erwerbstätigkeit beantragen

Sie müssen kein Deutsch-Zertifikat A1 vor Ihrer Einwanderung vorlegen, wenn Sie einen der folgenden Aufenthaltstitel beantragen:

  • Rot-Weiß-Rot – Karte
  • Blaue Karte
  • Niederlassungsbewilligung Forscher
  • Rot-Weiß-Rot – Karte Plus als Familienangehörige einer Fachkraft, wenn die Fachkraft in der einen der folgenden Aufenthaltstitel hat
      • Rot-Weiß-Rot – Karte für Besonders Hochqualifizierte
      • Blaue Karte
      • Niederlassungsbewilligung – Forscher
      • Rot-Weiß-Rot – Karte Plus, wenn sie davor eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Besonders Hochqualifizierte, eine Blaue Karte oder eine Niederlassungsbewilligung – Forscher hatte
      • Daueraufenthalt EU, wenn sie davor eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Besonders Hochqualifizierte, eine Blaue Karte oder eine Niederlassungsbewilligung – Forscher hatte
  • Aufenthaltsbewilligungen (mit Ausnahmen)

Hinweis

Wer ein Studium an einer anerkannten Hochschule abgeschlossen hat, braucht ebenfalls kein Deutsch-Zertifikat. Stattdessen wird bei der Behörde das Hochschul-Diplom vorgelegt. Je nach Ausstellungsland kann es sein, dass Verifizierungen nötig sind. Es ist egal, welches Studium in welcher Sprache abgeschlossen wurde; das einzig Wichtige ist, dass die Hochschule anerkannt ist und dass die Verleihungsurkunde des Diploms auf Deutsch oder Englisch beglaubigt übersetzt ist. Dieses Diplom gilt sowohl als Ersatz für ein Deutsch-Zertifikat A1 als auch für das Integrations-Zertifikat A2. 


Hinweis

EU/EWR-Staatsangehörige, Schweizer Staatsangehörige und Ihre Familienangehörigen (Ehefrau/Ehemann, eingetragene Partnerin/eingetragener Partner, Kinder) müssen zu keinem Zeitpunkt ein Deutsch-Zertifikat vorlegen, weil sie durch das EU-Recht privilegiert sind. 


Achtung!

Es werden in der Regel nur Zertifikate des ÖIF, ÖSD, TELC und Goethe-Instituts anerkannt.


Beispiel 1

Die Russin Irina Tolkova will mit ihrem Ehemann und ihrer 14-jährigen Tochter nach Österreich einwandern. Sie beantragt eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Sonstige Schlüsselkräfte und muss vor der Einwanderung nach Österreich deshalb kein Deutsch-Zertifikat vorlegen. Ihr Ehemann müsste theoretisch ein Deutsch-Zertifikat A1 vorlegen. Weil er aber vor einigen Jahren in Moskau ein Bachelor-Studium der Mathematik abgeschlossen hat, kann er statt eines Deutsch-Zertifikates A1 sein Hochschuldiplom vorlegen. Da das Diplom in Russland ausgestellt wurde, braucht es eine Apostille und eine beglaubigte Übersetzung seiner Verleihungsurkunde. Irina Tolkovas Tochter ist über 14 und muss deshalb als einziges Familienmitglied ein Deutsch-Zertifikat A1 vor ihrer Einwanderung vorlegen.


Beispiel 2

Der Kanadier Wesley Adams will mit seinem eingetragenen Partner nach Österreich einwandern. Er beantragt eine Blaue Karte. Weder er noch sein Partner müssen deshalb ein Deutsch-Zertifikat A1 vorlegen, um nach Österreich einwandern zu können.


Integrationsprüfungen haben zwei Teile: einen Deutsch-Teil und einen Integrations- bzw. Werte-Teil. Es reicht deshalb nicht aus, ein einfaches Deutsch-Zertifikat vorzulegen. Die Integrationsprüfungen sind in der sogenannten Integrationsvereinbarung festgehalten. Die Integrationsvereinbarung hat zwei Module: Modul 1 und Modul 2. Um Modul 1 zu erfüllen, müssen Sie die Integrationsprüfung A2 ablegen. Um Modul 2 zu erfüllen, müssen Sie die Integrationsprüfung B1 ablegen. Das Ergebnis ist ein Integrations-Zertifikat des ÖIF, das ein Jahr lang gültig ist.

Wer muss wann welches Deutsch- bzw. Integrationszertifikat vorlegen? Die folgende Übersicht sammelt die wichtigsten Verlängerungs-Fälle:

 


    Achtung

    Wenn Sie ein Studium an einer anerkannten Hochschule abgeschlossen haben, brauchen Sie kein Deutsch-Zertifikat. Stattdessen legen Sie der Behörde Ihr Hochschul-Diplom (mit Verifizierung und/oder Übersetzung) vor. Ihr Diplom gilt sowohl als Ersatz für ein Deutsch-Zertifikat A1 als auch für das Integrations-Zertifikat A2.


    Sie müssen das Integrations-Zertifikat A2 des ÖIF bei der Verlängerung Ihres Aufenthaltstitels vorlegen, wenn Sie einen der folgenden Aufenthaltstitel seit mindestens zwei Jahren haben:

    • Blaue Karte
    • Rot-Weiß-Rot – Karte Plus
    • Familienangehöriger
    • Niederlassungsbewilligungen (Niederlassungsbewilligung, Niederlassungsbewilligung – ausgenommen Erwerbstätigkeit, Niederlassungsbewilligung – Angehöriger, Niederlassungsbewilligung – Künstler, Niederlassungsbewilligung – Sonderfälle unselbständiger Erwerbstätigkeit, Niederlassungsbewilligung – Forscher)

    Sie müssen jedenfalls KEIN Integrations-Zertifikat A2 bei der Verlängerung vorlegen, wenn Sie

    • bisher eine Rot-Weiß-Rot – Karte hatten und nach zwei Jahren eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus beantragen
    • ein Studium an einer anerkannten Hochschule im Ausland abgeschlossen haben. Statt einem Integrations-Zertifikat A2 legen Sie der Behörde Ihr Hochschul-Diplom (mit Verifizierung und/oder Übersetzung) vor.
    • als Künstlerin/Künstler mit der Niederlassungsbewilligung – Künstler eine künstlerische Tätigkeit in einer der unter § 2 Abs 1 Z 1 bis 3 Kunstförderungsgesetz genannten Kunstsparten ausüben
    • schon ein Integrations-Zertifikat A2 oder B1 bei der Beantragung von vorherigen Aufenthaltstiteln vorgelegt haben.
    • schon ein Integrations-Zertifikat B1 haben.
    • in Österreich ein Studium absolviert haben.
    • in Österreich die Matura gemacht haben bzw. die österreichische allgemeine Universitätsreife haben.
    • den Antrag für ein Kind stellen, das unter 14 Jahre alt ist.
    • den Antrag für ein Kind stellen, das 14 Jahre oder älter ist, aber in Österreich eine Schule besucht und eine positive Deutsch-Note im letzten Schulzeugnis hat.

    Beispiel 1

    Die Russin Irina Tolkova ist mit ihrem Ehemann und ihrer 14-jährigen Tochter nach Österreich eingewandert. Sie hat eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Sonstige Schlüsselkräfte, die zwei Jahre lang gültig ist. Ihr Ehemann und ihre Tochter haben je eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus, die ein Jahr gültig ist. Nach einem Jahr verlängern die beiden ihre Rot-Weiß-Rot – Karten Plus. Sie müssen dafür kein Deutsch-Zeugnis A1 vorlegen, weil sie das schon vor der Einwanderung gemacht haben. Nachdem die Familie zwei Jahre lang in Österreich ist, beantragen alle drei die Rot-Weiß-Rot – Karte Plus, die dann drei Jahre lang gültig ist. Weil Irina Tolkova eine Rot-Weiß-Rot – Karte hat, weil ihre Tochter eine Schule in Österreich besucht und eine positive Note im Schulfach „Deutsch“ im letzten Zeugnis hat und weil ihr Ehemann schon bei der Ersteinwanderung sein Hochschul-Diplom vorgelegt hat, muss kein Familienmitglied ein Integrations-Zeugnis A2 vorlegen.


    Beispiel 2

    Der Kanadier Wesley Adams ist mit seinem eingetragenen Partner nach Österreich eingewandert. Er hat eine Blaue Karte; sein Partner hat eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus. Nach zwei Jahren beantragen beide Rot-Weiß-Rot – Karten Plus die dann drei Jahre lang gültig sind. Dafür müssten beide ein Integrations-Zertifikat A2 vorlegen. Wesley Adams hat aber ein abgeschlossenes Studium der Elektrotechnik und legt sein Hochschul-Diplom vor. Sein Partner, der kein Studium abgeschlossen hat, legt die Integrations-Prüfung A2 ab und legt bei der Verlängerung seiner Rot-Weiß-Rot – Karte Plus sein Integrations-Zertifikat A2 vor.


    Wenn Sie den Daueraufenthalt EU beantragen, müssen Sie das Integrations-Zertifikat B1 des ÖIF bei der Verlängerung Ihres Aufenthaltstitels vorlegen. Ein Hochschul-Diplom kann nicht als Ersatz für das Integrations-Zertifikat B1 gelten. Kinder, die 14 Jahre oder älter sind, können hingegen Ihr österreichisches Schulzeugnis als Ersatz vorlegen, wenn sie eine positive Deutsch-Note haben.


    Beispiel

    Die Inderin Deepika Singh ist vor fünf Jahren mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern nach Österreich eingewandert. Als Forscherin hatte sie zwei Jahre lang die Niederlassungsbewilligung – Forscher und dann drei Jahre lang die Rot-Weiß-Rot – Karte Plus. Ihr Ehemann und ihre beiden Kinder hatten fünf Jahre lang Rot-Weiß-Rot – Karten Plus. Jetzt beantragt die ganze Familie den Daueraufenthalt EU. Dafür legen Deepika Singh und ihr Ehemann die Integrationsprüfung B1 ab und legen bei der Verlängerung die Integrations-Zeugnisse B1 vor. Die beiden Kinder gehen in Österreich zur Schule und haben positive Deutsch-Noten. Sie müssen deshalb keine Integrations-Zertifikate vorlegen.


    Sie wollen mehr über die verschiedenen Aufenthaltstitel in Österreich wissen? Hier finden Sie eine Liste mit allen Aufenthaltstiteln (Link). Hier finden Sie Informationen zur Rot-Weiß-Rot – Karte und Blauen Karte (Link). Hier finden Sie Informationen zur Rot-Weiß-Rot – Karte Plus (Link). Hier finden Sie Informationen zur Niederlassungsbewilligung – Forscher (Link). Hier finden Sie Informationen zur Niederlassungsbewilligung – Künstler (Link). Hier finden Sie Informationen zum Aufenthaltstitel Familienangehörige . Hier finden Sie Informationen zum Daueraufenthalt EU .


    Rechtsgrundlagen

    • § 21a NAG
    • IV-V 2017
    • § 64 UG 2002
    • § 41, § 43a NAG
    • § 2 Kunstförderungsgesetz