Remote – von der neuen Kultur des Vertrauens, agiler Arbeitsweise und dem virtuellen Afterwork-Bier

Lismarie Paschon
Bei den einen wars ein bisschen verpönt, bei den anderen durchaus üblich, aber keiner dachte vor März 2020, dass in einer Vielzahl an Unternehmen einmal ein Großteil der Belegschaft ausschließlich aus dem Homeoffice arbeiten wird. Die Corona-Krise hat uns einen Radikalkurs in Remote Working beschert. Die Arbeitswelt wurde in den Grundfesten verändert, auf den Kopf gestellt und neu definiert. Jetzt gilt es, die Lehren zu ziehen und die Workforce für die Zukunft aufzustellen.

Für erfolgreiches Remote Working braucht es den Dreiklang von Tools, Skills und Kultur. Die technische Infrastruktur stellt die Basis dar. Notebook, IT-Infrastruktur mit remote Zugriffsmöglichkeiten, Collaboration Tools und Cloud Services sind die nötigen technischen Voraussetzungen, damit die Zusammenarbeit von Zuhause und von jedem beliebigen Ort der Welt aus funktioniert.

Wer dies zum Start des Lockdowns noch nicht implementiert hatte, musste schnell nachziehen. Im nächsten Schritt ging es darum, die Skills aufzubauen, um die Infrastruktur klug zu nutzen. Das heißt, nicht nur die Funktionalitäten eines Programms zu kennen, sondern es auch entsprechend einzusetzen. Besonders erfolgreich waren jene Organisationen und Teams, die bereits vor der Corona-Krise agiles Arbeiten etabliert hatten, da der tägliche Kontakt und die nötige Transparenz ein Erfolgsrezept für Remote Working sind. Für die Tools braucht es die Skills sowie die methodische Kompetenz, auch virtuell kreativ in Workshops angepasst an das digitale Format zusammenzuarbeiten.

Die interaktive Zusammenarbeit kann trotz der Distanz gelebt werden – wie beispielsweise in Workshops mit virtuellen Boards, die jeder in Echtzeit bearbeiten kann, oder mit Engagement Tools für Umfragen & Co. Neben der inhaltlichen Zusammenarbeit darf auch der informelle Austausch zwischen den KollegInnen nicht zu kurz kommen. Hier haben sich gemeinsame virtuelle Coffee Breaks oder Verabredungen für ein Afterwork-Getränk nach Wahl bewährt. Wichtig ist es, hier am Ball zu bleiben und diese regelmäßigen Touchpoints aufzusetzen, um den Zusammenhalt im Team nicht zu verlieren.

Die größte Veränderung war allerdings die kulturelle Veränderung – und zwar aufseiten der Führungskräfte und der MitarbeiterInnen. Viele Führungskräfte haben erkannt, dass Anwesenheit kein Kriterium für erfolgreiches Arbeiten ist. Die neue Währung im Leadership heißt Vertrauen, und der Outcome ist die Grundlage, um die Leistung der MitarbeiterInnen zu bewerten.

Viele Unternehmen befanden sich in den letzten Jahren bereits in diesem Kultur-Shift. Durch die Radikalität der Krise wurde dieser Prozess nun massiv beschleunigt. Essenziell für den Erfolg sind dabei klar kommunizierte gemeinsame Ziele sowie das Vorleben und die Präsenz der Führungskraft beim virtuellen Arbeiten – dies wurde noch mehr zur Leadership-Aufgabe.

So wie die erste Phase der Corona-Krise ihre Herausforderungen hatte, hat die aktuelle Situation ihre. Zum einen gilt es, die Learnings mitzunehmen – was hat funktioniert, was nicht, wie wollen wir uns künftig aufstellen und wie wollen und müssen wir Remote-Arbeiten in unsere Arbeitswelt integrieren. Wie können wir virtuelle und physische Zusammenarbeit verbessern?

Meetings im Meetingraum, jedoch mit mehr Kolleginnen und Kollegen, die via Videokonferenz zugeschaltet werden, sind heute die Realität und werden uns weiterhin begleiten. Wie können wir gleichzeitig in der realen und der virtuellen Welt effizient zusammenarbeiten und diese miteinander verbinden?

Das sind Herausforderungen, die wir im täglichen Doing mithilfe von unterstützenden Tools, Skills und der entsprechenden Kultur in den nächsten Wochen und Monaten weiter meistern werden. Jetzt gilt es, die Veränderungen, die uns durch diese Krise „aufgezwungen“ wurden, für einen positiven Change-Prozess in unserem Arbeitsumfeld zu nutzen.

Lismarie Paschon
Talent & Organisation Lead, Accenture Österreich

Mehr zum Thema