Mögliche Aufenthaltstitel für Selbstständige

Sie planen Ihre Einwanderung nach Österreich als Selbstständige/Selbstständiger und möchten dauerhaft in Österreich leben und arbeiten? Ihnen stehen grundsätzlich zwei Aufenthaltstitel zur Verfügung: die Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte oder die Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen. Sie möchten zwar länger als sechs Monate in Österreich selbstständig arbeiten, aber nicht dauerhaft in Österreich bleiben? Dann können Sie unter bestimmten Umständen eine Aufenthaltsbewilligung Selbstständige erhalten. Selbstständig ist eine Person in der Regel, wenn sie maßgebliche Anteile an dem Unternehmen hat und unternehmensstrategische Entscheidungen trifft.

Wenn Sie vorerst unselbstständig tätig sein wollen und erst in Zukunft den Schritt in die Selbstständigkeit überlegen, ist das auch eine attraktive Option. Sie können nämlich, wenn Sie im Besitz einer Rot-Weiß-Rot – Karte (Link) sind, nach zwei Jahren auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus (Link) umsteigen. Die Rot-Weiß-Rot – Karte Plus ermöglicht Ihnen dann auch die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit.

Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte

Die Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte ist für Drittstaatsangehörige gedacht, die ein Unternehmen gründen wollen, das für die österreichische Wirtschaft einen großen Mehrwert bzw. Impuls bringen wird oder deren Einstieg in ein bestehendes Unternehmen diesen herausragenden positiven Effekt für die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs hat („gesamtwirtschaftlicher Nutzen“).

Das zeigt sich an den Voraussetzungen, die im Zusammenhang mit Ihrem Einstieg in das Unternehmen erfüllt werden müssen. Es muss nämlich entweder

  • ein nachhaltiger Transfer von Investitionskapital in Höhe von mindestens € 100.000 nach Österreich vorliegen

Der Transfer der finanziellen Mittel aus dem Ausland muss entweder schon erfolgt sein oder in Aussicht stehen. Sie müssen dafür einen Nachweis vorlegen, in dem Sie nachweisen, dass sie über die finanziellen Mittel konkret und jederzeit verfügen können. Es muss ein direkter Transfer von Kapital aus dem Ausland für den Zweck der Unternehmensgründung – und des Aufbaus gegeben sein. In der Praxis ist das z.B. auf einem Konto nachzuweisen und im Businessplan auszuführen, welche Anschaffungen mit dem Investitionskapital getätigt werden sollen. Eine Erklärung reicht zum Nachweis des Transfers nicht aus. Auch die Einzahlung von Stammkapital allein ist kein Transfer von Investitionskapital. Das AMS (Arbeitsmarktservice) prüft alle diese Details genau.

oder

  • neue Arbeitsplätze geschaffen bzw. bestehende Arbeitsplätze gesichert werden

Das bedeutet grundsätzlich, dass mehrere Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden müssen. Sie müssen dafür einen Nachweis vorlegen (z.B. durch entsprechende Ausführungen im Businessplan), den das AMS genau prüft.

oder

  • mit der Niederlassung ein Transfer von Know-How oder die Einführung neuer Technologien verbunden sein

In Ihrem Businessplan müssen Sie genau erklären, wie Sie durch Ihren Einstieg und Ihre Qualifikationen im Zusammenhang mit Ihrer Position Know-How in das Unternehmen einbringen. Die Qualifikation ist dabei z.B. durch Studienabschlüsse und/oder Berufserfahrung nachzuweisen.

oder

  • das Unternehmen wesentliche Bedeutung für die ganze Region haben.

Das bedeutet, dass Sie In Ihrem Businessplan erklären müssen, in welcher Hinsicht Ihr zu gründendes Unternehmen oder Ihr Einstieg in ein bestehendes Unternehmen eine herausragende Bedeutung für die gesamte Region hat.


Ablauf des Verfahrens

Den Antrag auf eine Rot-Weiß-Rot-Karte für selbstständige Schlüsselkräfte stellen Sie

  • wenn Sie nicht visafrei einreisen dürfen (Link) bei der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft oder Konsulat).
  • wenn Sie visafrei einreisen dürfen (Link) persönlich bei der Aufenthaltsbehörde in Österreich (Link zu Behörden-Check).

Achtung

Bevor Sie den Antrag stellen, müssen Sie sich entschieden haben, wo Sie in Österreich leben möchten. Das ist wichtig, weil es in Österreich nicht nur eine Niederlassung der Aufenthaltsbehörde gibt, sondern viele. Welche dieser Niederlassungen für Sie zuständig ist, hängt von Ihrem zukünftigen Wohnort in Österreich ab. Wenn Sie sich einmal für einen Ort entschieden haben, ist eine Änderung kompliziert und nicht empfehlenswert.


Bei der Antragstellung müssen Sie jedenfalls folgende Dokumente vorlegen:

 

  • Antragsformular
  • Reisepass
  • Passfoto nach EU-Kriterien (nicht älter als 6 Monate)
  • Persönliche Dokumente:
    • Geburtsurkunde 
    • Aktuelle Strafregisterbescheinigung (nicht älter als drei Monate)
  • Nachweis über eine Krankenversicherung, die alle Risiken abdeckt (Pflichtversicherung oder eine entsprechende Versicherungspolizze)
  • Nachweis des gesicherten Lebensunterhalts (Lohnzettel, Lohnbestätigungen, Bestätigungen über Versicherungsleistungen, Nachweis über Pensions-, Renten oder sonstige Versicherungsleistungen, Investitionskapital oder eigenes Vermögen in ausreichender Höhe, Nachweis über Unterkunftskosten)
  • Arbeits- bzw. unternehmensrelevante Dokumente:
    • Unterlagen zur Durchführung einer Markt-, Konkurrenz- und Standortanalyse: Beschreibung und Ziele der beabsichtigten unternehmerischen Tätigkeit ("Businessplan")
    • Nachweis des Transfers von Investitionskapital oder der beabsichtigten Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen
    • Nachweis der für die selbständige Tätigkeit erforderlichen Qualifikationen
    • Erforderlichenfalls Gesellschaftsverträge
    • Erforderlichenfalls (bereits vorhandene) Berechtigungen zur Gewerbeausübung
  • Gebühr: 160 Euro

Bitte beachten Sie:

  • Die Behörde kann gegebenenfalls noch weitere Urkunden verlangen.
  • Die Gültigkeit Ihrer Rot-Weiß-Rot – Karte hängt davon ab, wie lange Ihr Pass gültig ist. Wenn er mindestens zwei Jahre gültig sind, ist auch Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte zwei Jahre lang gültig.
  • Je nachdem, in welchem Land Sie leben, müssen Sie eine oder mehrere Strafregisterbescheinigungen vorzeigen. Hier können Sie nachschauen, welche Strafregisterbescheinigungen Sie besorgen müssen (Link).
  • Persönliche Dokumente müssen eine spezielle Verifizierung haben, damit sie anerkannt werden. Das hängt davon ab, in welchem Land die Dokumente ausgestellt wurden. Hier können Sie nachschauen, welche Art von Verifizierung nötig ist. (Link).
  • Wenn Ihre Dokumente nicht auf Deutsch oder Englisch sind, müssen sie in der Regel von einer gerichtlich beeideten Übersetzerin oder einem gerichtlich beeideten Übersetzer übersetzt werden.

Es kann sein, dass Sie mehr als 160 Euro Gebühr zahlen müssen, wenn Sie zusätzliche persönliche Dokumente vorzeigen müssen oder ein Visum D benötigen.  

Die Aufenthaltsbehörde leitet den Antrag und die Unterlagen an das AMS weiter. Das AMS prüft in einem ersten Schritt, ob wirklich eine selbstständige Tätigkeit vorliegt („Vorprüfung“).

Der Businessplan muss alle Informationen enthalten, damit das AMS den gesamtwirtschaftlichen Nutzen prüfen kann:

  • Dieser Businessplan soll die unternehmerische Tätigkeit und deren Ziele beschreiben und ist damit die Grundlage einer Markt-, Konkurrenz- und Standortanalyse.
  • Im Businessplan müssen Sie die Betriebsgröße, die Anzahl der zu beschäftigenden Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer, die Auslastungszahlen etc. so angeben, damit das AMS eine Prognose treffen kann, ob die Voraussetzungen erfüllt sind.

Das AMS prüft auch, ob es im wirtschaftlichen Umfeld, in der die Geschäftsgründung geplant ist, eine angespannte Konkurrenzsituation gibt:

  • Wenn es viele Anbieter gibt, die im selben Bereich am Markt sind, müssen Sie beweisen, dass Ihr Konzept deutlich von dem Ihrer Konkurrenz abweicht. Wenn mehrere Anbieter in dem Bereich wirtschaftliche Schwierigkeiten haben (z.B. in Konkurs sind), wirkt sich das auch negativ auf die Entscheidung über den gesamtwirtschaftlichen Nutzen Ihres Unternehmens aus.

Als Ergebnis dieser Prüfung erstellt das AMS ein Gutachten, indem es Ihnen mitteilt, ob aus seiner Sicht ein „gesamtwirtschaftlicher Nutzen“ vorliegt. Dafür hat das AMS drei Wochen Zeit.

Wenn das Unternehmen und die Unternehmensgründerin/der Unternehmensgründer die Voraussetzungenerfüllen, gibt das AMS ein positives Gutachten ab und leitet es an die Aufenthaltsbehörde weiter.

  • Die Aufenthaltsbehörde prüft dann alle übrigen Voraussetzungen und bewilligt Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte.

Alle weiteren Schritte hängen davon ab, ob Sie visafrei nach Österreich einreisen dürfen oder nicht. Hier (Link) können Sie das herausfinden.

  • Sie dürfen visafrei nach Österreich einreisen? Sobald Sie Ihre Bewilligung erhalten haben, können Sie nach Österreich kommen und bei der Aufenthaltsbehörde Ihre Fingerabdrücke abgeben. Außerdem müssen Sie Ihre persönlichen Dokumente (Pass, Geburtsurkunde, Strafregisterbescheinigung, etc.) im Original vorzeigen. Ihre Karte wird dann gedruckt. Sobald Sie sie bekommen, dürfen Sie anfangen zu arbeiten!
  • Sie dürfen nicht visafrei nach Österreich einreisen? Dann erhalten Sie nach der Bewilligung von der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft/Konsulat) in dem Land, in dem Sie aktuell wohnen, eine Einladung. In dieser Einladung werden Sie dazu aufgefordert, innerhalb der nächsten drei Monate ein sogenanntes Visum D zu beantragen und innerhalb von sechs Monaten Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte in Österreich abzuholen. Um dieses Visum D zu bekommen, brauchen Sie:
  • Antragsformular
  • Pass mit Kopie
  • Einladung der Vertretungsbehörde
  • Bewilligung der Aufenthaltsbehörde
  • Reisekrankenversicherung (mindestens € 30.000 Deckungssumme)  
  • Flugreservierung

 

In der Regel dauert es ca. zwei Wochen, bis Sie das Visum D in Ihren Pass gestempelt bekommen. Während dieser Bearbeitungszeit bleibt Ihr Pass bei der Botschaft bzw. beim Konsulat. Sobald Sie das Visum D haben, können Sie nach Österreich kommen und bei der Aufenthaltsbehörde Ihre Fingerabdrücke abgeben. Außerdem müssen Sie Ihre persönlichen Dokumente (Pass, Geburtsurkunde, Strafregisterbescheinigung, etc.) vorzeigen. Ihre Karte wird dann gedruckt. Sobald Sie sie bekommen, dürfen Sie anfangen zu arbeiten!

 

Wenn das Unternehmen und die Unternehmensgründerin/der Unternehmensgründer die Voraussetzungen nicht erfüllen, gibt das AMS ein negatives Gutachten ab und leitet es an die Aufenthaltsbehörde weiter. Die Aufenthaltsbehörde wird Ihnen in diesem Fall die Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Wenn die Aufenthaltsbehörde keine Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte ausstellt, erhalten Sie dann eine negative Entscheidung („Bescheid“) der Aufenthaltsbehörde, gegen den Sie eine Beschwerde erheben können.


Gültigkeit, Verlängerung und Familienzusammenführung

Die Rot-Weiß-Rot – Karte wird für maximal 24 Monate ausgestellt. Sie dürfen sich damit in Österreich für diese Zeit aufhalten und nur selbstständig erwerbstätig sein. Sie dürfen währenddessen also nicht ohne Weiteres als Angestellte/Angestellter arbeiten. Dafür müssten Sie erst einen anderen Aufenthaltstitel (zum Beispiel eine andere Rot-Weiß-Rot – Karte oder eine Blaue Karte) beantragen.

Personen, die eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte besitzen, erhalten nach zwei Jahren bei weiterer Erfüllung der Voraussetzungen eine sogenannte Niederlassungsbewilligung (Link), die für bis zu drei Jahre gültig ist. Mit einer Niederlassungsbewilligung dürfen Sie weiterhin selbstständig erwerbstätig sein. Eine unselbstständige Erwerbstätigkeit dürfen Sie aber immer noch nicht ausüben. Bei der darauffolgenden Verlängerung können Sie den Daueraufenthalt EU (Link) erhalten, wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen.

Familienangehörige (Ehefrau/Ehemann, eingetragene Partnerin/eingetragener Partner, Kinder) können eine Rot-Weiß-Rot-Karte Plus (Link) beantragen, mit der sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt haben.


Hinweis

Drittstaatsangehörige Fachkräfte, mit EU-Bürgerinnen oder EU-Bürgern verheiratet oder verpartnert sind, bzw. deren Kinder EU-Bürgerinnen/EU-Bürger sind, müssen keine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen, um in Österreich selbstständig tätig werden zu können. Sie können eine sogenannte Aufenthaltskarte (Link) beantragen. Damit haben sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Sie können also sowohl angestellt als auch selbstständig arbeiten.


Hinweis

Drittstaatsangehörige Fachkräfte, mit Österreicherinnen/Österreichern verheiratet oder verpartnert sind, müssen keine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen, um in Österreich selbstständig tätig werden zu können. Sie können einen sogenannten Aufenthaltstitel Familienangehöriger (Link) beantragen. Damit haben sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Sie können also sowohl angestellt als auch selbstständig arbeiten.


Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen

Ein Start-Up im Sinne der Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen ist ein Unternehmen, das innovative Produkte, Dienstleistungen, Verfahren oder Technologien entwickelt und auf den österreichischen Markt bringt. Innovation bedeutet also, dass es sich um eine Neuheit bzw. eine neue Idee oder Erfindung handelt. Charakteristisch für ein solches Unternehmen ist, dass die Unternehmensgründung mit dem Ziel erfolgt, stark zu wachsen und einen hohen Wert zu erreichen. Das müssen Sie in einem Businessplan darlegen.

In der Praxis sind das in der Regel Unternehmen im Technologiesektor, vor allem bezüglich Spitzentechnologien und im Bereich des Internets (z.B. Onlinehandel, Anwendungssoftware, Finanztechnologie, Biotechnologie, Nanotechnologie, neue Fertigungsverfahren, Industrie 4.0 oder Luft- und Raumfahrttechnik). Eine Zulassung als Start-Up-Gründerin /-Gründer im Zusammenhang mit der Neugründung von Handwerksbetrieben ist in der Regel nicht möglich. Eine Franchisenehmerin / ein Franchisenehmer kann ebenfalls kein Start-Up sein.

Wenn Sie eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen beantragen, müssen Sie außerdem nachweisen,

  • dass Sie tatsächlich selbst einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftsführung  ausüben und

Das bedeutet, dass Sie die unternehmerischen und unternehmensstrategischen Entscheidungen treffen und damit die wichtigen Lenkungsimpulse dafür geben, in welche Richtung sich Ihr Unternehmen bewegt. Das können Sie z.B. nachweisen, indem Sie einen Gesellschaftsvertrag vorlegen, in dem Sie nicht nur wesentliche Anteile an der Gesellschaft haben, sondern auch als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer genannt sind.

  • Kapital von mindestens € 50.000 (davon zumindest die Hälfte Eigenkapital) zur Verfügung haben.

Um diese Rot-Weiß-Rot – Karte zu erhalten, müssen Sie außerdem in einem gesetzlich festgelegten Punktesystem genug Punkte erhalten. Es gibt vier Kategorien, in denen Sie Punkte sammeln können:

  1. Qualifikationen (Berufsausbildung bzw. Studium)
  2. Berufserfahrung, die Sie nach Ihrer Ausbildung in Ihrem Fachbereich gesammelt haben
  3. Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch
  4. Zusatzpunkte (z.B. zusätzliches Kapital von mindestens € 50.000 Euro, bestimmte Förderungen, Alter bis 35 Jahre)

Hier (Link) finden Sie das gesamte Punktesystem der Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen.

Bitte beachten Sie:

  • Sie müssen mindestens 50 Punkte erreichen.
  • Jede Kategorie hat Maximalpunkte, die Sie nicht überschreiten können Wenn Sie beispielsweise mehr als fünf Jahre relevante Berufserfahrung haben, erhalten Sie trotzdem nicht mehr als 10 Punkte für Ihre Berufserfahrung.
  • Sie müssen nicht in jeder Kategorie Punkte sammeln. Es reicht, wenn Sie insgesamt 50 Punkte erreichen.
  • Es werden in der Regel nur volle Jahre Berufserfahrung gezählt. Nachweise der Berufserfahrung müssen mindestens das Startdatum, Enddatum und eine Positionsbeschreibung enthalten.
  • Sprachzertifikate dürfen nicht älter als ein Jahr sein, wenn Sie den Antrag auf die Rot-Weiß-Rot – Karte stellen. Deutschzertifikate werden von folgenden Institutionen akzeptiert: ÖSD, Goethe-Institut, Telc GmbH, ÖIF. Englischzertifikate werden von folgenden Institutionen akzeptiert: Cambridge, TELC, IELTS, TOEIC, TOEFL.
  • Es gilt in der Regel das Alter, das Sie zum Zeitpunkt der Antragstellung haben.

Ablauf des Verfahrens

Den Antrag auf eine Rot-Weiß-Rot-Karte für Start-Up-GründerInnen stellen Sie

  • wenn Sie nicht visafrei einreisen dürfen (Link) bei der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft/Konsulat).
  • wenn Sie visafrei einreisen dürfen (Link) persönlich bei der Aufenthaltsbehörde in Österreich.

Achtung

Bevor Sie den Antrag stellen, müssen Sie sich entschieden haben, wo Sie in Österreich leben möchten. Das ist wichtig, weil es in Österreich nicht nur eine Niederlassung der Aufenthaltsbehörde gibt, sondern viele. Welche dieser Niederlassungen für Sie zuständig ist, hängt von Ihrem zukünftigen Wohnort in Österreich ab. Wenn Sie sich einmal für einen Ort entschieden haben, ist eine Änderung kompliziert und nicht empfehlenswert.


Bei der Antragstellung müssen Sie jedenfalls folgende Dokumente vorlegen:

  • Antragsformular
  • Reisepass
  • Passfoto (nicht älter als 6 Monate)
  • Persönliche Dokumente:
    • Geburtsurkunde 
    • Strafregisterbescheinigung
  • Krankenversicherung
  • Nachweise über den gesicherten Lebensunterhalt (z.B. eigenes Vermögen in ausreichender Höhe, Bestätigungen über Versicherungsleistungen, Nachweis über Unterkunftskosten)
  • Arbeitsrelevante Dokumente:
    • Nachweis der Qualifikation bzw. Ausbildung (Universitäts-Diplom, etc.), inklusive jener Qualifikationen, die für die selbstständige Tätigkeit konkret relevant sind
    • Nachweis der Berufserfahrung (Dienstzeugnisse, etc.)
    • Sprachzertifikate
  • Unternehmensrelevante Dokumente:
    • ein Businessplan und Dokumente zum Nachweis der Innovation betreffend die Produkte, Dienstleistungen, Verfahren oder Technologien
    • Nachweis von Investitionskapital einschließlich des verfügbaren Eigenkapitals
    • Gegebenenfalls ein Vertrag mit dem Gründerzentrum oder der Nachweis der Förderung durch eine Start-Up-Förderstelle in Österreich 
    • Gesellschaftsvertrag des geplanten Unternehmens zum Nachweis des wesentlichen Einflusses auf die Geschäftsordnung (Ausnahme: Ein-Personen-Unternehmen)
    • Erforderlichenfalls Berechtigungen zur Gewerbeausübung
  • Gebühr: 160 Euro

Bitte beachten Sie:

  • Die Behörde kann gegebenenfalls noch weitere Urkunden verlangen.
  • Die Gültigkeit Ihrer Rot-Weiß-Rot – Karte hängt davon ab, wie lange Ihr Pass gültig ist. Wenn er mindestens zwei Jahre gültig sind, ist auch Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte zwei Jahre lang gültig.
  • Je nachdem, in welchem Land Sie leben, müssen Sie eine oder mehrere Strafregisterbescheinigungen vorzeigen. Hier können Sie nachschauen, welche Strafregisterbescheinigungen Sie besorgen müssen (Link).
  • Persönliche Dokumente müssen eine spezielle Verifizierung haben, damit sie anerkannt werden. Das hängt davon ab, in welchem Land die Dokumente ausgestellt wurden. Hier können Sie nachschauen, welche Art von Verifizierung nötig ist. (Link).
  • Wenn Ihre Dokumente nicht auf Deutsch oder Englisch sind, müssen sie in der Regel von einer gerichtlich beeideten Übersetzerin oder einem gerichtlich beeideten Übersetzer übersetzt werden.

Es kann sein, dass Sie mehr als 160 Euro Gebühr zahlen müssen, wenn Sie zusätzliche persönliche Dokumente vorzeigen müssen oder ein Visum D benötigen.  

Ihr Antrag wird von der Aufenthaltsbehörde an das AMS weitergeleitet. Das AMS erstellt dann ein Gutachten. Dafür hat das AMS drei Wochen Zeit.

  • Wenn das AMS ein positives Gutachten erstellt und Sie auch alle weiteren Voraussetzungen erfüllen, wird die Aufenthaltsbehörde Ihren Antrag bewilligen.
  • Wenn das AMS ein negatives Gutachten erstellt, wird Ihnen die Aufenthaltsbehörde Gelegenheit geben, eine Stellungnahme abzugeben. Wenn die Aufenthaltsbehörde keine Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen ausstellt, erhalten dann eine negative Entscheidung („Bescheid“) der Aufenthaltsbehörde, gegen den Sie eine Beschwerde erheben können.

Die Aufenthaltsbehörde hat insgesamt acht Wochen Zeit, um über Ihren Antrag zu entscheiden.

Ihr Antrag wurde sowohl vom AMS als auch von der Aufenthaltsbehörde bewilligt? Alle weiteren Schritte hängen nun davon ab, ob Sie visafrei nach Österreich einreisen dürfen oder nicht. Hier (Link) können Sie das herausfinden.

  • Sie dürfen visafrei nach Österreich einreisen? Sobald Sie Ihre Bewilligung erhalten haben, können Sie nach Österreich kommen und bei der Aufenthaltsbehörde Ihre Fingerabdrücke abgeben. Außerdem müssen Sie Ihre persönlichen Dokumente (Pass, Geburtsurkunde, Strafregisterbescheinigung, etc.) im Original vorzeigen. Ihre Karte wird dann gedruckt. Sobald Sie sie bekommen, dürfen Sie anfangen zu arbeiten!
  • Sie dürfen nicht visafrei nach Österreich einreisen? Dann erhalten Sie nach der Bewilligung von der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft/Konsulat) in dem Land, in dem Sie aktuell wohnen, eine Einladung. In dieser Einladung werden Sie dazu aufgefordert, innerhalb der nächsten drei Monate ein sogenanntes Visum D zu beantragen und innerhalb von sechs Monaten Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte in Österreich abzuholen. Um dieses Visum D zu bekommen, brauchen Sie:
  • Antragsformular
  • Pass mit Kopie
  • Einladung der Vertretungsbehörde
  • Bewilligung der Aufenthaltsbehörde
  • Reisekrankenversicherung (mindestens € 30.000 Deckungssumme)  
  • Flugreservierung

In der Regel dauert es ca. zwei Wochen, bis Sie das Visum D in Ihren Pass gestempelt bekommen. Während dieser Bearbeitungszeit bleibt Ihr Pass bei der Botschaft bzw. beim Konsulat. Sobald Sie das Visum D haben, können Sie nach Österreich kommen und bei der Aufenthaltsbehörde Ihre Fingerabdrücke abgeben. Außerdem müssen Sie Ihre persönlichen Dokumente (Pass, Geburtsurkunde, Strafregisterbescheinigung, etc.) vorzeigen. Ihre Karte wird dann gedruckt. Sobald Sie sie bekommen, dürfen Sie zu arbeiten beginnen!


Gültigkeit, Verlängerung und Familienzusammenführung

Die Rot-Weiß-Rot – Karte wird für maximal 24 Monate ausgestellt. Sie dürfen sich damit in Österreich für diese Zeit aufhalten und nur selbstständig erwerbstätig sein. Nach zwei Jahren prüft das AMS, ob Sie weiterhin als Geschäftsführerin/Geschäftsführer in Ihrem Geschäftsfeld aktiv sind, die Umsätze tatsächlich erzielt wurden, die Investitionen erfolgt sind und wie sich die Anzahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Unternehmen entwickelt hat.

Sie können nach diesen zwei Jahren eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus (Link) erhalten, die bis zu drei Jahre gültig ist, wenn Sie

  • mindestens zwei Vollzeitarbeitskräfte beschäftigen, und
  • weiterhin tatsächlich selbst wesentlichen Einfluss auf die Geschäftsführung des Unternehmens ausüben, und
  • entweder einen Jahresumsatz von zumindest € 200.000 erreicht haben, oder sich eine weitere Finanzierung von zumindest € 100.000 sichern konnten, und
  • Ihr Start-Up auch tatsächlich ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung anbietet

Wenn Sie als Start-Up-Gründerin/-Gründer diese Voraussetzungen für die Erteilung einer Rot-Weiß-Rot – Karte plus nicht erfüllen, können Sie anstatt der Rot-Weiß-Rot – Karte plus auf eine Niederlassungsbewilligung umsteigen, wenn Sie die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen erfüllen und in den letzten zwei Jahren eine Tätigkeit in Ihrem Start-Up ausgeübt haben.

Familienangehörige (Ehefrau/Ehemann, eingetragene Partnerin/eingetragener Partner, Kinder) können eine Rot-Weiß-Rot-Karte Plus (Link) beantragen, mit der sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt haben.


Hinweis

Drittstaatsangehörige Fachkräfte, mit EU-Bürgerinnen/EU-Bürgern verheiratet oder verpartnert sind, oder deren Kinder EU-Bürgerinnen/EU-Bürger sind, müssen keine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen, um in Österreich selbstständig tätig werden zu können. Sie können eine sogenannte Aufenthaltskarte (Link) beantragen. Damit haben sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Sie können also sowohl angestellt als auch selbstständig arbeiten.


Hinweis

Drittstaatsangehörige Fachkräfte, die die Ehepartnerinnen/Ehepartner bzw. eingetragene Partnerinnen/eingetragene Partner von Österreicherinnen/Österreichern sind, müssen keine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen, um in Österreich selbstständig tätig werden zu können. Sie können einen sogenannten Aufenthaltstitel Familienangehöriger (Link) beantragen. Damit haben sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Sie können also sowohl angestellt als auch selbstständig arbeiten.


Aufenthaltsbewilligung Selbstständige

  • sich zur Erfüllung einer bestimmten selbstständigen Tätigkeit
  • für länger als sechs Monate vertraglich verpflichtet haben,
  • keine Niederlassungsabsicht haben und
  • die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen erfüllen.

Sie sollten diesen Aufenthaltstitel nicht beantragen, wenn Sie planen, dauerhaft in Österreich zu leben und zu arbeiten. Wenn Sie z.B. planen, Ihren Wohnsitz im Herkunftsstaat aufzugeben, Büro- oder Lagerräume anzumieten, dann sollten Sie keine Aufenthaltsbewilligung für Selbstständige beantragen, sondern eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Selbstständige Schlüsselkräfte oder eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Start-Up-GründerInnen in Betracht ziehen.

Sie sollten eine Aufenthaltsbewilligung nur beantragen, wenn Sie einen temporären Aufenthalt für eine Tätigkeit über sechs Monate in Österreich planen. Wenn Sie für einen Zeitraum unter sechs Monaten tätig werden, reicht ein Visum C (bei einer Tätigkeit bis zu drei Monaten) oder ein Visum D (bei einer Tätigkeit bis zu sechs Monaten) für Erwerbstätige. Die Aufenthaltsbewilligung wird für die Dauer der vertraglichen Verpflichtung erteilt.


Damit Sie eine Aufenthaltsbewilligung für Selbstständige erhalten können, müssen Sie unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Es muss sich um eine echte selbstständige Tätigkeit handeln.

Eine selbstständige Tätigkeit kann beispielsweise vorliegen, wenn Sie nicht in ein Unternehmen eingebunden ist. Sie müssen auf eigene Gefahr, insbesondere hinsichtlich des finanziellen, unternehmerischen Risikos handeln. Charakteristisch ist auch die Nutzung eigener Betriebsmittel (also Arbeitsgeräte) und die Möglichkeit, für mehr als einen Auftraggeber tätig zu sein.

Auch wenn Sie z.B. als Gesellschafterin/Gesellschafter und Geschäftsführerin/Geschäftsführer einer GmbH wesentlichen wirtschaftlichen Einfluss auf die Entscheidungen der GmbH nehmen, liegt eine selbstständige Tätigkeit vor. Wenn Sie aushilfsweise – neben der Geschäftsführertätigkeit – andere Tätigkeiten ausüben, kann trotzdem eine selbstständige Tätigkeit vorliegen. 

Eine unselbstständige Tätigkeit kann hingegen z.B. vorliegen, wenn ein Gesellschafter einer GmbH Arbeitsleistungen für die GmbH erbringt, die typischerweise in einem Arbeitsverhältnis erbracht werden, wobei dies bloße Geschäftsführungstätigkeiten nicht umfasst. 

Ob eine echte selbstständige Tätigkeit vorliegt, wird nicht nach der äußerlichen Erscheinungsform, sondern nach dem wahren wirtschaftlichen Gehalt beurteilt. Das bedeutet, dass es darauf ankommt, welche Tätigkeiten in welcher Form tatsächlich erbracht werden und nicht darauf, was z.B. im Gesellschaftsvertrag vereinbart wurde.

  • Es muss eine vertragliche Verpflichtung zur Erbringung einer bestimmten Leistung bestehen.

Es muss bereits ein verbindlicher Vertrag vorliegen. Der Vertrag muss auf die Erbringung einer genau definierten Leistung abzielen, die auf einen Zeitraum von sechs Monaten oder mehr ausgerichtet ist. Dies wird in den meisten Fällen ein Werkvertrag sein – das ist aber nicht rechtlich zwingend. Es ist irrelevant, ob der Vertrag eine Kündigungsmöglichkeit nach einem Zeitraum vorsieht, der weniger als sechs Monate ist.


Ablauf des Verfahrens

Bei der Antragstellung müssen Sie jedenfalls folgende Dokumente vorlegen:

  • Antragsformular
  • Reisepass
  • Passfoto (nicht älter als 6 Monate)
  • Persönliche Dokumente:
    • Geburtsurkunde 
    • Strafregisterbescheinigung
  • Krankenversicherung
  • Nachweise über den gesicherten Lebensunterhalt (z.B. Lohnzettel, Lohnbestätigungen, Dienstverträge, Bestätigungen über Pensions-, Renten- oder sonstige Versicherungsleistungen, Nachweis über Investitionskapital oder eigenes Vermögen in ausreichender Höhe)
  • Gebühr: 160 Euro

 


Bitte beachten Sie:

  • Die Behörde kann gegebenenfalls noch weitere Urkunden verlangen.
  • Je nachdem, in welchem Land Sie leben, müssen Sie eine oder mehrere Strafregisterbescheinigungen vorzeigen. Hier können Sie nachschauen, welche Strafregisterbescheinigungen Sie besorgen müssen (Link).
  • Persönliche Dokumente müssen eine spezielle Verifizierung haben, damit sie anerkannt werden. Das hängt davon ab, in welchem Land die Dokumente ausgestellt wurden. Hier können Sie nachschauen, welche Art von Verifizierung nötig ist. (Link).
  • Wenn Ihre Dokumente nicht auf Deutsch oder Englisch sind, müssen sie in der Regel von einer gerichtlich beeideten Übersetzerin oder einem gerichtlich beeideten Übersetzer übersetzt werden.

Es kann sein, dass Sie mehr als 160 Euro Gebühr zahlen müssen, wenn Sie zusätzliche persönliche Dokumente vorzeigen müssen oder ein Visum D benötigen.