Die Blaue Karte EU

Die Blaue Karte EU richtet sich an bestimmte Drittstaatsangehörige, die ein Jobangebot bei einem Unternehmen in Österreich haben, das Ihnen ein vergleichsweise hohes Gehalt bezahlt. Es gibt kein Punktesystem wie bei den meisten Rot-Weiß-Rot – Karten.

Sie müssen diese Voraussetzungen erfüllen:

  1. Sie haben ein Studium abgeschlossen, das zu Ihrem Jobangebot passt.
  2. Ihr Arbeitgeber in Österreich zahlt Ihnen im Jahr 2022 mindestens € 66.593 als Bruttojahresgehalt. Dieses Mindestgehalt ist gesetzlich vorgeschrieben.

Achtung

Wenn Sie nicht studiert haben oder unter dem Mindestgehalt verdienen werden, ist die Blaue Karte EU nicht zielführend. Sie können stattdessen aber herausfinden, ob die Rot-Weiß-Rot – Karte für StudienabsolventInnen, die Rot-Weiß-Rot – Karte für Besonders Hochqualifizierte, die Rot-Weiß-Rot – Karte für Fachkräfte in Mangelberufen oder die Rot-Weiß-Rot – Karte für Sonstige Schlüsselkräfte zu Ihrer Situation passt.

Dokumente für die Blaue Karte EU

Diese Dokumente müssen Sie jedenfalls einreichen, um eine Blaue Karte EU zu bekommen:

  • Antragsformular
  • Reisepass
  • Passfoto nach EU-Kriterien (nicht älter als 6 Monate)
  • Arbeitsrelevante Dokumente:
    • Verbindliches Jobangebot (beidseitig unterschrieben)
    • Aktueller Lebenslauf
    • Nachweis des erfolgreich abgeschlossenen Studiums (Diplom, etc.)
  • Arbeitgeber-Dokumente:
    • Arbeitgebererklärung
    • Stellenbeschreibung
  • Persönliche Dokumente:
    • Geburtsurkunde
    • Strafregisterbescheinigung,nicht älter als 3 Monate
  • Gebühren: 160 Euro

Bitte beachten Sie:

  • Die Gültigkeit Ihrer Blauen Karte EU hängt davon ab, bis wann Ihr Jobangebot gilt und wie lange Ihr Pass gültig ist. Wenn beide mindestens 2 Jahre gültig sind, ist auch Ihre Blaue Karte EU 2 Jahre lang gültig.
  • Je nachdem, in welchem Land Sie leben, müssen Sie eine oder mehrere Strafregisterbescheinigungen vorzeigen. Hier können Sie nachschauen, welche Strafregisterbescheinigungen Sie besorgen müssen.
  • Persönliche Dokumente müssen eine spezielle Verifizierung haben, damit sie anerkannt werden. Das hängt davon ab, in welchem Land die Dokumente ausgestellt wurden. Hier können Sie nachschauen, welche Art von Verifizierung nötig ist.
  • Wenn Ihre persönlichen Dokumente nicht auf Deutsch oder Englisch sind, müssen sie in der Regel von einer gerichtlich beeideten Übersetzerin oder einem gerichtlich beeideten Übersetzer übersetzt werden.
  • Es kann sein, dass Sie mehr als 160 Euro Gebühr zahlen müssen, wenn Sie zusätzliche persönliche Dokumente vorzeigen müssen oder ein Visum D benötigen.  

Achtung

Bitte achten Sie auf Ihre visafreien Tage! In der Regel haben Sie 90 (von 180) Tage Visafreiheit im Schengenraum. Wenn Sie diese Tage aufgebraucht haben, dürfen Sie den Antrag nicht mehr in Österreich stellen, weil Sie sich nicht mehr legal in Österreich aufhalten.

Ablauf des Verfahrens

Nachdem Sie und Ihr zukünftiger Arbeitgeber alle Dokumente gesammelt haben, muss der Antrag bei einer österreichischen Behörde gestellt werden. Dafür gibt es mehrere Optionen:

  1. Ihr Arbeitgeber stellt den Antrag für Sie bei der Aufenthaltsbehörde in Österreich. Das ist unabhängig von Ihrer Nationalität und dem Land, in dem Sie aktuell wohnen. Diese Option hat den Vorteil, dass Ihr Antrag gleich bei der Behörde gestellt wird, die den Antrag auch bearbeitet. Außerdem können Sie bei dieser Option bestimmte Dokumente per E-Mail nachreichen (beispielsweise Verifizierungen).
  2. Sie stellen den Antrag bei der österreichischenVertretungsbehörde (Botschaft/Konsulat) in dem Land, in dem Sie aktuell wohnen. Wenn Sie diese Option wählen, muss Ihr Antrag vollständig sein; sie können in der Regel keine Dokumente per E-Mail nachreichen. Da Ihr Antrag erst von der Vertretungsbehörde per Post nach Österreich geschickt wird, dauert das Einwanderungsverfahren bei dieser Option meistens länger als bei Option 1.
  3. Wenn Sie visafrei nach Österreich einreisen dürfen oder bereits in Österreich leben, können Sie Ihren Antrag persönlich bei der Aufenthaltsbehörde in Österreich stellen. Diese Option hat den Vorteil, dass Ihr Antrag gleich bei der Behörde gestellt wird, die den Antrag auch bearbeitet. Außerdem können Sie bei dieser Option bestimmte Dokumente per E-Mail nachreichen (beispielsweise Verifizierungen).

Hinweis

Bevor Sie oder Ihr Arbeitgeber den Antrag stellen, müssen Sie sich entschieden haben, wo Sie in Österreich leben möchten. Das ist wichtig, weil es in Österreich verschiedene Niederlassungen der Aufenthaltsbehörde gibt. Welche dieser Niederlassungen für Sie zuständig ist, hängt von Ihrem zukünftigen Wohnort in Österreich ab. Wenn Sie sich einmal für einen Ort entschieden haben, ist eine Änderung kompliziert und nicht empfehlenswert.

Mit der Familie nach Österreich

Wollen Sie mit Ihrer Familie nach Österreich einwandern? Bitte beachten Sie Folgendes:

  • Wenn Sie eine Rot-Weiß-Rot – Karte oder eine Blaue Karte EU beantragen, können Ihre Familienangehörigen eine sogenannte Rot-Weiß-Rot – Karte Plus beantragen und erhalten. Ihre Familie kann den Antrag aber in der Regel erst stellen, wenn Sie Ihren Antrag auf Rot-Weiß-Rot – Karte oder Blaue Karte EU gestellt haben.
  • Anders als Sie als Fachkraft muss Ihre Familie in der Regel den Antrag auf Rot-Weiß-Rot – Karte Plus bei der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft/Konsulat) stellen. Ihr Arbeitgeber kann also nicht für Ihre Familie den Antrag in Österreich stellen. Die Anträge Ihrer Familie müssen unbedingt vollständig sein. Sollte Ihre Familie visafrei nach Österreich einreisen dürfen, kann sie die Anträge auch direkt bei der Aufenthaltsbehörde in Österreich stellen. Wichtig ist hier vor allem, dass Ihre Familie genügend visafreie Tage hat.

Sobald Sie oder Ihr Arbeitgeber Ihren Antrag eingereicht haben, prüfen verschiedene Behörden Ihren Antrag. Die Aufenthaltsbehörde prüft, ob Sie alle allgemeinen Voraussetzungen erfüllen – zum Beispiel, ob Ihr Pass lange genug gültig ist oder ob alle Ihre Dokumente die richtigen Verifizierungen haben. Das AMS (Arbeitsmarktservice) prüft die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen. In manchen Fällen prüft das AMS außerdem mithilfe des sogenannten Ersatzkraftverfahrens, ob es auf dem österreichischen Arbeitsmarkt jemanden gibt, die/der Ihre Stelle bekommen könnte. Die gesamte Prüfung dauert normalerweise mehrere Wochen, in denen Sie gegebenenfalls bestimmte Dokumente nachreichen können bzw. müssen. Die Prüfung endet im besten Fall damit, dass Ihr Antrag bewilligt wird.

Alle weiteren Schritte hängen davon ab, ob Sie visafrei nach Österreich einreisen dürfen oder nicht.

  • Sie wohnen in Österreich und haben die Rot-Weiß-Rot – Karte für StudienabsolventInnen beantragt und die Bewilligung erhalten? Herzlichen Glückwunsch! Sobald Sie Ihre Karte bekommen, dürfen Sie anfangen zu arbeiten!
     
  • Sie dürfen visafrei nach Österreich einreisen? Sobald Sie Ihre Bewilligung erhalten haben, können Sie nach Österreich kommen und bei der Aufenthaltsbehörde Ihre Fingerabdrücke abgeben. Außerdem müssen Sie Ihre persönlichen Dokumente (Pass, Geburtsurkunde, Strafregisterbescheinigung, etc.) im Original vorzeigen. Ihre Karte wird dann gedruckt. Sobald Sie sie bekommen, dürfen Sie anfangen zu arbeiten!
  • Sie dürfen nicht visafrei nach Österreich einreisen? Dann erhalten Sie nach der Bewilligung von der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft/Konsulat) in dem Land, in dem Sie aktuell wohnen, eine Einladung. In dieser Einladung werden Sie dazu aufgefordert, innerhalb der nächsten drei Monate ein sogenanntes Visum D zu beantragen und innerhalb von sechs Monaten Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte oder Blaue Karte EU in Österreich abzuholen. Um dieses Visum D zu bekommen, brauchen Sie:
  • Antragsformular
  • Pass mit Kopie
  • Einladung der Vertretungsbehörde
  • Bewilligung der Aufenthaltsbehörde
  • Reisekrankenversicherung (mindestens € 30.000 Deckungssumme)  
  • Flugreservierung

In der Regel dauert es ca. zwei Wochen, bis Sie das Visum D in Ihren Pass gestempelt bekommen. Während dieser Bearbeitungszeit bleibt Ihr Pass bei der Botschaft. Sobald Sie das Visum D haben, können Sie nach Österreich kommen und bei der Aufenthaltsbehörde Ihre Fingerabdrücke abgeben. Außerdem müssen Sie Ihre persönlichen Dokumente (Pass, Geburtsurkunde, Strafregisterbescheinigung, etc.) vorzeigen. Ihre Karte wird dann gedruckt. Sobald Sie sie bekommen, dürfen Sie anfangen zu arbeiten!

Verlängerung

Wenn sowohl Ihr Pass als auch Ihr Jobangebot mindestens 2 Jahre gültig sind, gilt auch Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte bzw. Blaue Karte EU 2 Jahre lang. In diesen 2 Jahren sind Sie an Ihren Arbeitgeber gebunden. Wenn Sie während dieser 2 Jahre den Arbeitgeber wechseln möchten/müssen, geht das nur mit einer sogenannten Zweckänderung. Dabei prüfen die österreichischen Behörden erneut, ob Sie alle Voraussetzungen erfüllen. Sie können erst anfangen, für den neuen Arbeitgeber zu arbeiten, wenn Sie Ihre neue Rot-Weiß-Rot – Karte oder Blaue Karte haben.

Nach 21 Monaten können Sie einen Verlängerungsantrag auf eine sogenannte Rot-Weiß-Rot – Karte Plus stellen. Mit dieser Karte haben Sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Sie sind also nicht mehr an Ihren Arbeitgeber gebunden. Wenn Ihr Pass mindestens 3 Jahre lang gültig ist, ist auch Ihre Rot-Weiß-Rot – Karte Plus 3 Jahre lang gültig. Hier erfahren Sie mehr zur Rot-Weiß-Rot – Karte Plus.

Achtung

Sie und Ihre Familie müssen Verlängerungsanträge immer stellen, bevor die aktuellen Aufenthaltstitel ablaufen. Sie können frühestens drei Monate vor dem Ablauf einen Verlängerungsantrag stellen.

Daueraufenthalt

Wenn Sie und Ihre Familie dauerhaft in Österreich leben möchten, ist folgender Weg der Aufenthaltstitel für Sie sinnvoll:

  1. Sie haben zwei Jahre lang eine Rot-Weiß-Rot – Karte oder eine Blaue Karte EU. Ihre Familie hat zwei Jahre lang eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus.
  2. Nach diesen zwei Jahren verlängern Sie und Ihre Familie Ihre jeweiligen Aufenthaltstitel. Sie beantragen und erhalten Rot-Weiß-Rot – Karten Plus, die drei Jahre lang gültig sind.
  3. Nach diesen drei Jahren, also nach insgesamt fünf Jahren in Österreich, beantragen Sie und Ihre Familie den sogenannten Daueraufenthalt EU. Unter anderem benötigt man dafür den Nachweis eines Deutsch-Levels B1. Der Daueraufenthalt EU ist fünf Jahre lang gültig und muss dann nach je fünf Jahren lediglich verlängert werden.  

Rechtsgrundlagen

  • § 42 NAG; § 12c AuslBG