Arbeiten als Forscher:in in Österreich

Sind Sie drittstaatsangehörig und haben einen PhD- oder Doktoratsabschluss oder einen Master, der Ihnen Zugang zu einem Doktoratsprogramm ermöglicht? Haben Sie außerdem ein längerfristiges Jobangebot (über sechs Monate) für eine wissenschaftliche Tätigkeit als Forscherin oder Forscher an einer anerkannten Forschungseinrichtung in Österreich? Dann kann die sogenannte Niederlassungsbewilligung Forscher ein passender Aufenthaltstitel für Sie sein.

Die Niederlassungsbewilligung Forscher ist für Drittstaatsangehörige gedacht, die nach Abschluss ihrer höheren akademischen Ausbildung (mindestens Masterabschluss, der die Teilnahme an einem Doktoratsprogramm erlaubt) an einer Forschungseinrichtung in Österreich wissenschaftlich im Zuge eines konkreten Forschungsprojektes arbeiten.

Dafür muss unter anderem eine Aufnahmevereinbarung zwischen der Forschungseinrichtung und der Forscherin / dem Forscher abgeschlossen werden.

Hinweis

Der OeAD (Österreichischer Austauschdienst) bietet kostenfreie umfassende Informationen und maßgeschneiderte Beratungen für Forschende und Studierende zum Thema Aufenthaltstitel.

Was ist eine Forschungseinrichtung?

Forschungseinrichtungen sind jedenfalls alle österreichischen staatlichen Universitäten
Beispiele: Universität Graz, Johannes Kepler Universität Linz, Universität Wien

Private Universitäten bzw. private Forschungseinrichtungen müssen zertifiziert sein, um eine Aufnahmevereinbarung abschließen zu können.

Beispiele: Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg – Privatstiftung, Central European University – CEU, Institut für die Wissenschaften vom Menschen, VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH    

Forschungseinrichtungen, die von einer staatlichen Institution betrieben werden, sind von dieser Regelung ausgenommen und brauchen keine eigene Zertifizierung, um als Forschungseinrichtung Aufnahmevereinbarungen abschließen zu können.

Beispiele: I.S.T. Austria - Institute of Science and Technology – Austria, ACIB - Austrian Centre of Industrial Biotechnology, Kompetenzzentrum Holz GmbH


Hinweis

Auf der Liste des Bundesministeriums für Inneres sehen Sie alle zertifizierte Forschungseinrichtungen sowie alle Forschungseinrichtungen, die keiner Zertifizierungen bedürfen. Die Liste von Forschungseinrichtungen, welche keiner Zertifizierung bedürfen, ist allerdings nicht vollständig. Auch ein Universitätsklinikum, das an eine staatliche Medizinische Universität angeschlossen ist und ein Forschungsprojekt durchführt, kann in der Regel eine Aufnahmevereinbarung abschließen, weil es von einer staatlichen Institution betrieben wird, obwohl es nicht auf der Liste genannt ist.

Sie müssen durch Ihre Tätigkeit in der Forschungseinrichtung ein gewisses Mindestgehalt beziehen, um nachzuweisen zu können, dass Ihr Unterhalt in Österreich gedeckt ist. Als Alternative müssen Sie Ihren Unterhalt durch andere (zum Beispiel private) Mittel nachweisen können.


Hinweis

Kommt die Niederlassungsbewilligung Forscher nicht in Frage, weil Sie zum Beispiel nicht bei einer anerkannten Forschungseinrichtung tätig werden? Dann kann unter Umständen (je nach Ihren Qualifikationen und Ihrer geplanten Tätigkeit) eine Rot-Weiß-Rot – Karte oder Blaue Karte (Link zu Rot-Weiß-Rot – Karten-Übersichtsseite) eine attraktive Alternative für Sie sein.


Ablauf des Verfahrens

  • Antragsformular
  • Reisepass
  • Passfoto nach EU-Kriterien (nicht älter als sechs Monate)
  • Persönliche Dokumente:
    • Geburtsurkunde
    • Strafregisterbescheinigung (nicht älter als drei Monate)
  • Arbeitsrelevante Dokumente:
    • Nachweis des erfolgreich abgeschlossenen Studiums (Doktorgrad/PhD oder Hochschulabschluss, der Zugang zu Doktoratsprogrammen ermöglicht)
    • Aufnahmevereinbarung
  • Gebühren: 160 Euro

Gültigkeit, Verlängerung, Familienzusammenführung

Nach diesen zwei Jahren können Sie eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus (Link) erhalten, mit der Sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt bekommen. Sie sind dann also nicht mehr an Ihren Arbeitgeber gebunden und können frei entscheiden, ob sie angestellt oder selbstständig in Österreich arbeiten wollen.

Wenn Sie Ihre Forschungstätigkeit abgeschlossen haben und noch nicht zwei Jahre in Österreich sind, aber weiterhin in Österreich bleiben möchten, können Sie Ihre Niederlassungsbewilligung Forscher auch zum Zweck der Arbeitssuche oder Unternehmensgründung für weitere 12 Monate verlängern. Dafür müssen Sie bei der Aufenthaltsbehörde einen schriftlichen Nachweis über den erfolgreichen Abschluss der Forschungstätigkeit vorlegen. Ein Umstieg von einer so verlängerten Niederlassungsbewilligung Forscher ist anschließend aber nur auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte, eine Blaue Karte, eine Niederlassungsbewilligung Forscher oder ähnliche Aufenthaltstitel möglich. Sie können keine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus damit beantragen.

Sie wandern mit Ihrer Familie nach Österreich ein? Familienangehörige von Forscherinnen und Forschern können eine Rot-Weiß-Rot – Karte Plus (Link) beantragen, mit der sie freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt haben. Ihre Familienangehörigen können sich also aussuchen, ob sie angestellt oder selbstständig in Österreich arbeiten wollen.


Kurzfristiger Aufenthalt als Forscherin oder Forscher in Österreich

Sie brauchen jedenfalls ein Visum für Erwerbszwecke, wenn Sie als Forscherin oder Forscher in Österreich arbeiten möchten, auch wenn Sie sonst eigentlich visumfrei einreisen dürfen. So können Sie unmittelbar nach der Einreise Ihre Forschungstätigkeit ausüben.

Sie können den Antrag auf ein Visum frühestens sechs Monate, zumindest aber vier Wochen vor dem geplanten Reisetermin bei der österreichischen Vertretungsbehörde stellen.


Hinweis

Wenn es sich bei dem zukünftigen Arbeitgeber um eine staatliche Universität, eine vom Staat betriebene oder eine zertifizierte Forschungseinrichtung handelt und diese Forschungseinrichtung für Sie bei der österreichischen Vertretungsbehörde in Ihrem Wohnland

kommt für die Einreise, den Aufenthalt im Bundesgebiet und eine umgehende Arbeitsaufnahme nachstehendes, vereinfachtes Verfahren zur Anwendung.

Sie erhalten dann einen zeitnahen Sondertermin für die Vorsprache bei der österreichischen Vertretungsbehörde und stellen einen Antrag auf Erteilung eines gebührenfreien Erwerbsvisums (Visum C oder Visum D). Soll das vereinfachte Verfahren auch auf Ihre Familienangehörige Anwendung finden, muss die Verpflichtungserklärung auch diese umfassen.


Hinweis

Wenn Sie sich bereits mit einem Aufenthaltstitel eines anderen Schengenstaates im Schengenraum aufhalten, können Sie ein Visum für eine Einreise nach Österreich nur bei den österreichischen Vertretungsbehörden in Bratislava, Ljubljana oder München beantragen.


Rechtsgrundlagen

§ 43c NAG (Niederlassungsbewilligung Forscher), § 41a Abs 4 NAG (Rot-Weiß-Rot – Karte Plus im Verlängerungsverfahren), § 46 Abs 1 Z 1 NAG (Rot-Weiß-Rot – Karte Plus für Familienangehörige)