Sozial- & Gesundheitssystem

Eine ausgezeichnete Versorgung durch medizinische Fachleute und Institute der Spitzenmedizin sowie ein dichtes Netz an öffentlichen und privaten Spitälern tragen dazu bei, dass die Gesundheitsversorgung in Österreich zu den Weltbesten gehört.

Das Sozialsystem in Österreich

Österreichs Sozialleistungen, wie zum Beispiel die Mindestsicherung oder auch die Sozial- bzw. Pensionsversicherung, tragen zu einer sehr hohen sozialen Sicherheit seiner Bevölkerung bei.
Gemeinsam mit Frankreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Deutschland, Italien und Schweden gehört Österreich zu den acht Ländern, die mehr als ein Viertel des BIPs für Sozialausgaben aufwenden. Damit liegt es deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 20,1 Prozent.
Laut EU-SILC 2016 (European Union Statistics on Income and Living Conditions) wären 45 Prozent der Haushalte armutsgefährdet. Pensionen und Sozialleistungen senken den Anteil auf 14 Prozent. Dies beweist wie gut Sozialleistungen Armut vermeiden können.
Das österreichische System der sozialen Sicherung ist durch zentrale und dezentrale Elemente gekennzeichnet. Dabei dominieren die sozialversicherungsrechtlichen Leistungen sowie universelle Leistungen für die gesamte Wohnbevölkerung, unabhängig einer nachgewiesenen Bedürftigkeit. In regionaler Verantwortung, also der Bundesländer und Gemeinden bzw. Städte liegt ein Teil des Gesundheitswesens, das Wohnungswesen, ein Großteil der sozialen Dienste, die Kinderbetreuungseinrichtungen und die Mindestsicherung.
Österreich verfügt über ein besonders ausgeprägtes System der Zusammenarbeit der großen wirtschaftlichen Interessensverbände der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite untereinander und mit der Regierung. Die österreichische Sozialpartnerschaft leistet durch Konsensfähigkeit, Interessensausgleich und koordiniertes Vorgehen einen wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zum sozialen Frieden in Österreich.

Die österreichische Sozialversicherung

Bei der österreichischen Sozialversicherung handelt es sich um eine Pflichtversicherung. Beiträge werden von Seiten der Arbeitgeberin bzw. des Arbeitgebers für alle Arbeitnehmenden und gegebenenfalls auch deren Angehörige entrichtet. Selbstständig Erwerbstätige mit Gewerbeschein, Neue Selbstständige und Werksunternehmende müssen ihre Sozialversicherungsbeiträge selbst abführen. Bei unselbstständig Beschäftigten (Arbeitnehmenden und freien Dienstnehmenden) werden die Sozialversicherungsbeiträge automatisch von der Arbeitgeberseite an das Finanzamt abgeführt. Auch die Anmeldung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Sozialversicherung liegt in ihrer Verantwortung.
Die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge, der sogenannten Beitragssätze, variiert je nachdem, ob es sich um Arbeiterinnen und Arbeiteri, Angestellte, Lehrlinge, geringfügig Beschäftigte etc. handelt.

Weitere Informationen:

Die österreichische Sozialversicherung gliedert sich in mehrere Zweige:

  • die Krankenversicherung, zu der auch etwa der Mutterschutz zählt:

Leistungen der Krankenversicherung sind etwa die Kostenübernahme von ärztlichen Behandlungen, Spitalsaufenthalten, Vorsorgeuntersuchungen, Kinderbetreuungsgeld, Krankengeld usw.

Unter bestimmten Voraussetzungen werden Familienangehörige kostenlos mitversichert.

  • Unfallversicherung: Absicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten und deren Folgen, z.B. Invalidität und Arbeitsunfähigkeit etc.
  • Pensionsversicherung: Leistungen der Alterspension etc.
  • Arbeitslosenversicherung: Leistungen bei Arbeitslosigkeit wie Arbeitslosengeld und Notstandshilfe

Krankenversicherung

Es gibt in Österreich mehrere Krankenversicherungsträger, die dem Dachverband österreichischer Sozialversicherungsträger unterstellt sind. Welche im individuellen Fall zuständig ist, hängt vom Wohnort und der beruflichen Tätigkeit des oder der Versicherten ab.

Leistungen

Neben der Kostenübernahme von ärztlichen Behandlungen, Spitalsaufenthalten, Vorsorgeuntersuchungen, Kinderbetreuungsgeld, Krankengeld sowie Zahlungen während des Mutterschutzes fallen beispielsweise auch Zahnbehandlungen, Rehabilitation, Hauskrankenpflege, Heilbehelfe, Untersuchungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes und Pflege unter die Leistungen der Krankenversicherung.

Voraussetzungen

Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Leistungen der Krankenversicherung ist die Vorlage der e-card, welche allen Versicherten sowie gegebenenfalls deren Angehörigen bei der Anmeldung zur Krankenkasse binnen 14 Tagen vom Krankenversicherungsträger zugesendet wird. Die Rückseite der e-card ist gleichzeitig die Europäische Sozialversicherungskarte, mit der auch eine kostenlose ärztliche Versorgung in den Ländern der Europäischen Union in Anspruch genommen werden kann.
 
Eine Krankenversicherung besteht u. a. bei:

  • unselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkeit

Geringfügig Beschäftigte werden auf Antrag krankenversichert.

  • Anspruch auf Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe oder
  • Erhalt einer Pension
  • Bezug von Wochengeld oder Kinderbetreuungsgeld.

Mitversicherung von Angehörigen

In der sozialen Krankenversicherung sind neben Pflichtversicherten auch deren Angehörige geschützt. In bestimmten Fällen ist dafür ein Zusatzbeitrag zu entrichten.
Als Angehörige gelten folgende Familienmitglieder, sofern sie ihren Wohnsitz in Österreich haben:

  • Ehepartner und -partnerinnen sowie eingetragene Partner und Partnerinnen
  • Eheliche, legitimierte und Wahlkinder
  • uneheliche Kinder einer weiblichen Versicherten sowie unter bestimmten Voraussetzungen uneheliche Kinder eines männlichen Versicherten
  • Stiefkinder und Enkel, die mit dem oder der Versicherten im selben Haushalt leben
  • von dem oder der Versicherten unentgeltlich versorgte Pflegekinder bzw. wenn das Pflegeverhältnis auf einer behördlichen Bewilligung beruht
  • Lebensgefährten sowie haushaltsführende Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen
  • bestimmte verwandte/verschwägerte Personen und Lebensgefährten, die mit Anspruch auf Pflegegeld (ab Stufe 3) unter gewissen Voraussetzungen von dem oder der Versicherten gepflegt werden.

Beitragspflichtige Mitversicherung

Im Gegensatz zu mitversicherten Kindern, Enkeln und bestimmten verwandten/verschwägerten Personen und Lebenspartnern bzw. -partnerinnen, die mit Anspruch auf Pflegegeld (ab Stufe 3) von dem oder der Versicherten gepflegt werden, ist für Ehegatten, Lebenspartner bzw. -partnerinnen und haushaltsführende Angehörige für die Dauer der Mitversicherung ein Zusatzbeitrag für die Mitversicherung zu entrichten.
Dieser beträgt 3,4 Prozent des Einkommens (inkl. Sonderzahlungen) bzw. der Pension, also der Beitragsgrundlage, des oder der Versicherten.

Unfallversicherung

Mehrere Unfallversicherungsträger sind im Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zusammengefasst.

  • Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)
  • Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS)
  • Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA)
  • Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB)

Leistungen

Unter die Leistungen der Unfallversicherung fallen all jene, die aus Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten oder aus dem Unfalltod eines Erwerbstätigen hervorgehen. Dazu gehören etwa Unfallheilbehandlungen, Rehabilitation sowie Entschädigung und Leistungen im Todesfall wie zum Beispiel die Auszahlung einer Hinterbliebenenrente.

Pensionsversicherung

Das Pensionsantrittsalter ist bei Frauen in Österreich derzeit mit dem 60. Lebensjahr erreicht, bei Männern mit dem 65. Auch EU- und EWR-Bürger und Bürgerinnen sowie Personen mit schweizer Staatsbürgerschaft haben Anspruch auf eine Pension nach österreichischem Recht, sofern sie länger als ein Jahr in Österreich erwerbstätig und pensionsversichert waren. Wurden Versicherungsbeiträge unter einem Jahr bezahlt, werden sie in die Pensionszeiten, die in anderen Ländern erworben wurden, mit eingerechnet.

Weitere Informationen:

arbeiterkammer.at
pensionsversicherung.at (mehrsprachige Informationen)
oesterreich.gv.at

Arbeitslosenversicherung

Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung wie z.B. Arbeitslosengeld und Notstandshilfe fallen in Österreich in den Zuständigkeitsbereich des Arbeitsmarktservice (AMS).

Möchte man während seiner Arbeitssuche in Österreich Arbeitslosengeld aus dem EU-/EWR-Raum bzw. der Schweiz in Anspruch nehmen, ist zunächst die Arbeitsverwaltung des Herkunftslandes der richtige Ansprechpartner. Das Formular U2, das die Frist für die Meldung bei der regionalen Geschäftsstelle in Österreich, die maximale Dauer des Bezugs in Österreich und weitere Informationen beinhaltet, muss von dieser Stelle ausgefüllt und bestätigt werden.
Nach erfolgter Meldung bei der zuständigen, regionalen Geschäftsstelle des AMS in Österreich wird die Arbeitsverwaltung des Herkunftslandes sofort über die Vormerkung des Antragsstellers bzw. der Antragstellerin zur Arbeitssuche in Österreich informiert. Sollte innerhalb des Zeitraums, der auf dem Formular U2 angegebenen wurde, keine Stelle in Österreich gefunden werden, so können Leistungen nur bei sofortiger und rechtzeitiger Rückreise ins Herkunftsland gewahrt werden.

Informationen aus dem Herkunftsland müssen unbedingt beachtet werden.