Arbeitsbedingungen

Arbeiten in Österreich bringt nicht zuletzt deshalb viele Vorteile, da die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Österreich außerordentlich gut durch das Arbeitsrecht geschützt sind. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der zweitniedrigsten Streikdauer weltweit wider und in einem ausgezeichneten Verhältnis zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden.

Beste Arbeitsbedingungen in Österreich

Laut dem World Competitiveness Yearbook liegt Österreich, was die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden betrifft weltweit auf Platz 9. Was den Einsatz für das Unternehmen und die Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeht, liegt Österreich sogar international auf Platz 5.

Die Interessen von Arbeitskräften werden in Österreich von den Arbeiterkammern und von den Gewerkschaften vertreten. Sie sind Teil der Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft und für die Ausverhandlung von Lohn- und Preisfragen mit Bundeswirtschafts- und Landwirtschaftskammer zuständig. Gewerkschaften verhandeln auf Arbeitnehmerseite auch jährlich die Kollektivverträge, in welchen Mindeststandards für Löhne und Arbeitsbedingungen geregelt werden. Während man der Arbeiterkammer als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer automatisch angehört, muss man bei der Gewerkschaft Mitglied werden. 
Darüber hinaus gibt es in vielen Unternehmen einen Betriebsrat. Dieser darf ab einer Unternehmensgröße von mindestens 5 familienfremden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Basis einer Betriebsratswahl errichtet werden und hat die Befugnis Betriebsvereinbarungen abzuschließen, bei Kündigungen, Entlassungen und Versetzungen mitzuwirken sowie an Aufsichtsratssitzungen teilzunehmen.

Arten von Beschäftigungsverhältnissen in Österreich

Die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in Österreich sind abhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses.

Dabei wird unterschieden in:

Österreichischer Arbeitsvertrag

In Österreich beinhaltet der Arbeitsvertrag alle Rechte und Pflichten von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden, die über den jeweils geltenden gesetzlichen Kollektivvertrag hinausgehen. Die Arbeitgeberseite verpflichtet sich in erster Linie zur Bezahlung des Entgelts und Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer verpflichten sich zur Arbeitsleistung.

Für den Abschluss eines Arbeitsvertrags gibt es keine Formvorgaben. Er muss daher nicht zwingend schriftlich, sondern kann auch mündlich oder durch eine „schlüssige Handlung“ zustande kommen, etwa wenn ohne Widerspruch der Arbeitgeberseite eine Tätigkeit aufgenommen und anschließend entlohnt wurde.

Zur rechtlichen Absicherung ist es jedoch zu empfehlen bereits vor Beginn des Arbeitsverhältnisses einen schriftlichen Arbeitsvertrag abzuschließen.
Im Gegensatz zum schriftlichen Arbeitsvertrag ist diie Arbeitgeberseite per Gesetz zur Ausstellung eines Dienstzettels verpflichtet, der unmittelbar nach Aufnahme der Tätigkeit ausgehändigt werden muss und wesentliche Rechte und Pflichten beinhaltet.  

Eine Ausnahme gibt es bei Verträgen mit Auszubildenden. Hier muss in jedem Fall ein schriftlicher Lehrvertag abgeschlossen werden.

Normalarbeitszeit und Ruhepausen

Die Normalarbeitszeit in Österreich beträgt bei Vollzeitarbeit 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. Darüber hinausgehende Arbeitsstunden gelten als Überstunden und werden mit einem Zuschlag von 50% oder mit dem Anspruch auf Zeitausgleich abgegolten.
Seit September 2018 dürfen fallweise auch bis zu 12 Stunden pro Tag und insgesamt 60 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Im Viermonatsschnitt aber darf die Anzahl von 48 Arbeitsstunden pro Woche nicht überschritten werden. Bei einer 4-Tage-Woche ist es möglich 10 Stunden pro Tag zu arbeiten, um die in der Normalarbeitszeit festgelegten 40 Arbeitsstunden pro Woche zu erreichen.
Die Normalarbeitszeit kann außerdem im Rahmen von flexiblen Arbeitszeitmodellen, etwa die Durchrechnung der Arbeitszeit oder gleitenden Arbeitszeit ausgedehnt werden. In den Kollektivverträgen einiger Branchen wird die gesetzliche wöchentliche Normalarbeitszeit hingegen herabgesetzt.
Bei Teilzeitbeschäftigung reduziert sich die Normalarbeitszeit. Das Gehalt pro Arbeitsstunden bleibt dasselbe und richtet sich anteilsmäßig am geltenden Kollektivvertrag.
Andere Arbeitszeiten gelten auch etwa bei Saisonarbeit oder geringfügiger Beschäftigung -wenn unabhängig von den geleisteten Arbeitsstunden nicht mehr als 446,81 Euro (2019) im Monat bezogen werden).

Bei der Normalarbeitszeit handelt es sich um die reine Arbeitszeit abzüglich der Ruhepausen. Ab einer Tagesarbeitszeit von mehr als sechs Stunden müssen Arbeitnehmende eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten einhalten.

Urlaubsanspruch in Österreich

Pro Arbeitsjahr haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich Anspruch auf mindestens 5 Wochen Urlaub (30 Werktage). Dies gilt sowohl bei Vollzeitbeschäftigung als auch bei Teilzeit- oder geringfügiger Beschäftigung.
Je nach Aufteilung der Arbeitszeit auf die Woche entspricht dies:

  • bei einer 5-Tagewoche 25 Arbeitstagen,
  • bei einer 4-Tagewoche 20 Arbeitstagen,
  • bei einer 3-Tagewoche 15 Arbeitstagen,
  • bei einer 1-Tageswoche 5 Arbeitstagen.

Nach 25. Dienstjahren erhöht sich der Anspruch auf 36 Werktage. Dabei werden auch Dienstzeiten bei anderen Arbeitgebern (sofern mehr als 6 Monate), Zeiten selbständiger Erwerbstätigkeit (sofern mehr als 6 Monate) sowie Entwicklungshilfezeiten bis zu maximal fünf Jahren angerechnet. Ebenso angerechnet werden Ausbildungszeiten an allgemeinbildenden höheren, berufsbildenden, mittleren oder höheren Schulen. Sofern Ausbildungszeit und Vordienstzeit zusammenfallen, kann der Höchstrahmen von 5 auf 7 Jahre ausgedehnt werden.

Nicht konsumierter Urlaub verfällt nach zwei Jahren.

Kündigung

Kündigungsfristen und -termine sind zumeist durch Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen festgelegt. Andernfalls kommt das Angestelltengesetz oder Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) zum Tragen. Prinzipiell wird zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Kündigung unterschieden, je nach dem von welcher Seite aus das Arbeitsverhältnis beendet wird. Eine Kündigung kann mündlich, schriftlich oder durch eine schlüssige Handlung, wie die Übergabe der Arbeitspapiere erfolgen.

Zur Begriffserklärung: Mit Kündigungstermin ist nicht wie man vermuten könnte der Tag an dem die Kündigung ausgesprochen wird gemeint, sondern der letzte Tag des Arbeitsverhältnisses. Die Kündigungsfrist ist hingegen der Zeitraum zwischen Kündigung und Kündigungstermin.
Das Arbeitsverhältnis bleibt während der Kündigungsfrist, die am Folgetag der Kündigung beginnt, mit allen Rechten und Pflichten sowohl auf der Arbeitnehmer-, als auch auf der Arbeitgeberseite aufrecht. Bei Nichteinhaltung der Kündigungsfrist durch den/die Arbeitgebenden, hat der/die Arbeitnehmende den Anspruch auf eine Kündigungsentschädigung in der Höhe des Entgelts bis zum Zeitpunkt, an dem das Arbeitsverhältnis ordnungsgemäß geendet hätte.
Noch bis zum 1.1.2021 gelten für Arbeiter und Arbeiterinnen sowie für Angestellte unterschiedliche Regelungen hinsichtlich der Kündigungsfristen:

Kündigung durch die Arbeitgeberseite bei Angestellten:
Je nach Dauer der Dienstzugehörigkeit:

  • Dienstjahr 1 bis 2: 6 Wochen
  • 3 bis 5 Dienstjahre: 2 Monate
  • 6 bis 16 Dienstjahre: 3 Monate
  • 17 bis 26 Dienstjahre: 5 Monate

Kündigung durch die Angestellten

Sofern keine andere Vereinbarung getroffen wurde, dauert die Kündigungsfrist in der Regel einen Monat, wobei das Dienstverhältnis jeweils zum Letzten des Kalendermonats gelöst werden kann. Durch eine Vereinbarung kann diese Frist auf maximal 6 Monate ausgedehnt werden, wobei die Frist in jedem Fall kürzer als die der Arbeitgeberseite sein muss.

Kündigungsfristen bei Arbeitern und Arbeiterinnen

Die Kündigungsfrist wird laut geltenden Kollektivverträgen ebenso zumeist nach der Dauer der Dienstzugehörigkeit gestaffelt. Bei Branchen, für die es keinen Kollektivvertrag gibt, gelten die Vereinbarungen laut Dienstvertrag. Wurde auch im Arbeitsvertrag keine Regelungen hinsichtlich der Kündigungsfrist getroffen, so kommt die Gewerbeordnung, die eine 14-tägige Kündigungsfrist vorsieht zur Anwendung.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Kündigung angefochten werden. Dabei müssen jedoch die geltenden Fristen eingehalten werden. Es ist daher wichtig, unmittelbar nach ausgesprochener bzw. erhaltener Kündigung mit dem Betriebsrat, der Arbeiterkammer oder der zuständigen Gewerkschaft in Kontakt zu treten.

Der freie Dienstvertrag

Wird statt einem Arbeitsvertrag ein Dienstvertag abgeschlossen, so ergeben sich für  Dienstnehmende folgende Unterschiede im Vergleich zu einer Anstellung per Arbeitsvertrag:

  • Dienstnehmerinnen und DIenstnehmer sind nicht weisungsgebunden und müssen keine Arbeitszeiten einhalten.
  • Sie können sich auch vertreten lassen.
  • Sie können ihren Arbeitsort selbst wählen.
  • Sie können bzw. müssen eigene Arbeitsmittel verwenden.
  • Sie müssen keine Erfolgsgarantie gewährleisten.
  • Sie werden üblicherweise nach Stunden bezahlt.
  • Sie sind nicht oder nur gering persönlich abgesichert.

Sofern das monatliche Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze liegt (2019: 446,81 Euro) werden auch Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer von Arbeitgebenden angemeldet und versichert. Sie sind kranken-, unfall-, arbeitslosen- und pensionsversichert, genießen jedoch weniger arbeitsrechtlichen Schutz als Arbeitnehmende. Ein Anspruch auf Kündigungsschutz, Urlaub, Dienstfreistellung und Sonderzahlungen besteht nur, wenn eine entsprechende Vereinbarung getroffen wurde. Sofern Kündigungsfristen und -termine nicht im Dienstvertag enthalten sind, kommt das ABGB (Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch) zur Anwendung. Freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer werden als Personen eingestuft, die ein Unternehmen führen. Deshalb müssen sie ab einem festgelegten Jahreseinkommen, eine Einkommensteuer entrichten. Es muss daher beim Finanzamt eine Steuernummer beantragt werden.

Werkvertrag

Mit einem Werkvertrag wird die Herstellung eines Werks gegen Entgelt geregelt. Im Gegensatz zu Arbeitnehmenden und freien Dienstnehmenden, wird dabei sehr wohl eine Erfolgsgarantie für ein bestimmtes Werk erbracht.
Auch Werkvertragsnehmende sind persönlich und wirtschaftlich unabhängig, nicht in die Organisation des Werkbestellers oder der Werksbestellerin eingebunden und können sich vertreten lassen. Sie müssen eigene Arbeitsmittel verwenden und sich selbst bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) anmelden und versichern. Das durch den Werkvertrag entstehende Schuldverhältnis endet automatisch mit der Erbringung des vereinbarten Werks.
Werkvertragsnehmende sind häufig Unternehmer oder Unternehmerinnen, die ein Gewerbe betreiben und somit Gewerbetreibende sind. Sie benötigen dafür eine Gewerbeberechtigung.

Neue Selbstständige

Unternehmerinnen und Unternehmer, die für ihre berufliche Tätigkeit keinen Gewerbeschein benötigen und diese auch nicht als freie Dienstnehmende ausüben, werden als Neue Selbstständige bezeichnet. Beispiel dafür sind etwa Autorinnen und Autoren, Gutachterinnen und Gutachter, Übersetzerinnen und Übersetzer, usw. Auch für sie umfasst die Pflichtversicherung Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung und darüber hinaus die Selbstständigenvorsorge. Für die Arbeitslosenversicherung von Neuen Selbstständigen gibt es spezielle Regelungen.
Selbstständige mit Werkverträgen haben ihre Tätigkeit in jedem Fall selbst bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) zu melden.

Geringfügig Beschäftigte

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie freie Dienstnehmerinnen und freie Dienstnehmer, deren Einkommen unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze (2019: 446,81 Euro) liegen, gelten als geringfügig Beschäftigte. Sie müssen von ihren Auftraggeberinnen oder Auftraggebern unfallversichert werden. Eine Kranken- und Pensionsversicherung ist auf freiwilliger Basis möglich und muss von den geringfügig Beschäftigten selbst bei der zuständigen Gebietskrankenkasse eingereicht werden.