Österreich: Visum und Arbeitserlaubnis

Prinzipiell gilt in der Europäischen Union die Arbeitnehmerfreizügigkeit, was bedeutet, dass Bürger und Bürgerinnen von EU-Mitgliedsländern bzw. Staatsangehörige von EWR-Staaten und der Schweiz jederzeit eine Beschäftigung in jedem anderen Mitgliedsstaat ausüben dürfen.

Brauche ich, um in Österreich arbeiten zu können eine Arbeitserlaubnis?

EU und EWR-Länder, Schweizer

Seit 30.6.2020 ist der österreichische Arbeitsmarkt für ausnahmslos alle EU-Bürgerinnen und Bürger offen. MIt diesem Tag ging die Übergangsfrist zu Ende in der, nach der EU-Osterweiterung, dieser Bereich des EU-Rechts eingeschränkt war. Neben den EU-Ländern gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit in Österreich auch für:

  • Island
  • Liechtenstein
  • Norwegen
  • Schweiz

Unionsrechtliches Aufenthaltsrecht:
Visumsfreiheit und längeres Aufenthaltsrecht

Für Staatsangehörige aus EWR-Ländern und der Schweiz gilt Visumsfreiheit. Sie haben das Recht sich für einen Zeitraum von drei Monaten auf österreichischem Bundesgebiet aufzuhalten. Für ein längeres Aufenthaltsrecht gelten folgende Voraussetzungen:

  • eine unselbständige oder selbständige Beschäftigung in Österreich oder 
  • eine laufende Ausbildung in einer österreichischen Schule oder Bildungseinrichtung 
  • ausreichende Existenzmittel
  • sowie eine umfassende Krankenversicherung für die Person selbst und ihre Famiilienangehörigen

Man nennt dieses Aufenthaltsrecht unionsrechtliches Aufenthaltsrecht.

Ansuchen um Unionsrechtliches Aufenthaltsrecht

Zuständige Behörde ist der der Landeshauptmann oder die Landeshauptfrau oder die von ihm oder ihr ermächtigte Bezirksverwaltungsbehörde: die Bezirkshauptmannschaft, bzw. in Statutarstädten das Magistrat und in Wien die MA 35. 

Folgende Dokumente sind für den Antrag erforderlich:

  • ausgefülltes und unterzeichnetes Antragsformular
  • ein gültiger Personalausweis oder Reisepass
  • Bestätigung des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin / Nachweis der Selbstständigkeit

oder:

  • Nachweis ausreichender Existenzmittel z.B. durch ein Bankguthaben, Pensionsbezug und umfassenden Krankenversicherungsschutz

oder:

  • Nachweis, dass eine Schule oder Bildungseinrichtung besucht wird. (Auch in diesem Fall müssen ein umfassender Krankenversicherungsschutz sowie ausreichende Existenzmittel nachgewiesen werden)

Auf Verlangen der Behörde müssen gegebenenfalls noch weitere Urkunden wie zum Beispiel ein aktueller Strafregisterauszug vorgelegt werden. Es kann zur Beschleunigung des Verfahrens beitragen diese Unterlage bereits der Antragstellung beizulegen.

Visa und Aufenthaltstitel für Drittstaatsangehörige

Angehörige von Drittstaaten benötigen, wenn Sie sich länger als sechs Monate in Österreich aufhalten wollen einen Aufenthaltstitel. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten können die sogenannte „Rot-Weiß-Rot – Karte“ beantragen, die sie zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber oder einer Arbeitgeberin berechtigt. Der Anspruch auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte wird anhand eines Punktesystems ermittelt. 

Für hochqualifizierte Personen, die ein Studium abgeschlossen haben, gibt es die Möglichkeit, die „Blaue Karte EU“ zu beantragen, für welche bestimmte Voraussetzungen gelten, jedoch kein Punktesystem vorgesehen ist. 

Wer besonders hochqualifiziert und noch auf der Suche nach einem geeigneten Job ist, kann ein Arbeitssuche-Visum beantrage, das zu einem sechsmonatigen Aufenthalt berechtigt um einen Arbeitsplatz zu suchen.

Aufenthalte bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen sind für bestimmte Drittstaatsangehörige auch ohne Visum möglich.

Prinzipiell wird bei nicht EU-Bürgern und Bürgerinnen unterschieden zwischen:

  • dauerhafter Zuwanderung
  • temporärem Aufenthalt
  • befristeter Beschäftigung

Rot-Weiß-Rot – Karte

Das kriteriengeleitete Zuwanderungsmodell Österreichs sieht es vor, dass qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten eine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen können. Sie ist für 24 Monate gültig und berechtigt zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber oder einer bestimmten Arbeitgeberin. Für Familienangehörige gibt es hingegen die Möglichkeit zum Zweck der Familienzusammenführung die Rot-Weiß-Rot – Karte Plus zu beantragen.

Die Rot-Weiß-Rot – Karte wird für 24 Monate ausgestellt. Sie berechtigt zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber oder einer bestimmten Arbeitgeberin. Der Anspruch auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte wird anhand eines Punktesystems ermittelt. Hier können Sie mithilfe eines Kalkulators ermitteln, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen.

Was sind die allgemeinenen Voraussetzungen für die Rot-Weiß-Rot-Karte?

  • ein gesicherter Lebensunterhalt: Einkünfte zumindest in der Höhe des jeweils maßgeblichen Ausgleichszulagenrichtsatzes (für Alleinstehende: € 933,06, für Ehepaare: € 1.398,97, für jedes Kind: zusätzlich € 143,97)
  • eine Krankenversicherung, die alle Risiken abdeckt und in Österreich leistungspflichtig ist. 
  • eine ortsübliche Unterkunft (z.B. aufgrund eines Mietvertrages)
  • dass keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit besteht oder die Beziehungen Österreichs zu anderen Staaten auf keinen Fall wesentlich beeinträchtigt werden.

Folgende Personengruppen können unter bestimmten Voraussetzungen eine Rot-Weiß-Rot – Karte erhalten:

Besonders Hochqualifizierte

Diese können entweder über ein Arbeitssuche-Visum nach Österreich einreisen und dort vor Ort Arbeit suchen und bei Erhalt eines Beschäftigungsangebots schließlich eine Rot-Weiß-Rot – Karte bei der zuständigen Aufenthaltsbehörde in Österreich beantragen, oder, wenn bereits ein Arbeitsplatzangebot vorliegt, direkt eine Rot-Weiß-Rot – Karte bei der österreichischen Vertretungsbehörde im Heimatstaat oder dem Staat, der aktuellen Niederlassung beantragen.
Für hochqualifizierte Personen, die ein Studium abgeschlossen haben, gibt es außerdem noch die Möglichkeit, der „Blauen Karte EU“.

Inhaber eines Arbeitssuche-Visum

Staatsangehörige von Drittstaaten mit besonders hohen Qualifikationen können für sechs Monate ein Aufenthaltsvisum beantragen, um während dieser Zeit nach einem Job zu suchen. Als Voraussetzung müssen dafür mindestens 70 Punkte laut dem entsprechenden Punkterechner erzielt werden.

Fachkräfte in Mangelberufen

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Mangelberuf (bundesweite Mangelberufe und regionale Mangelberufe für 2020) laut Verordnung, ein verbindliches Arbeitsplatzangebot in Österreich, das Erreichen der erforderlichen Mindestpunkt laut Punkterechner (55 Punkte).

Mangelberufslisten werden abhängig von der Entwicklung des österreichischen Arbeitsmarktes vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort bekanntgegeben. Dabei wird  zwischen bundesweiten Mangelberufen und regionalen Mangelberufen unterschieden. 

Sonstige Schlüsselkräfte

Wer aufgrund seiner Qualifikationen eine Stelle als Schlüsselkraft in einem Unternehmen einnehmen soll, kann eine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen, wenn:

  • das Unternehmen den gesetzlich festgelegten Mindestentgelt zahlt (2019: 3.132 Euro brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen für über 30-Jährige und 2.610 Euro brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen für unter 30-Jährige)
  • keine gleich qualifizierten Arbeitskräfte beim AMS arbeitsuchend vorgemerkt sind,
  • und die erforderlichen Mindestpunkte laut Punkterechner erreicht werden (55).

Absolventen und Absolventinnen einer österreichischen Hochschule

Wer ein Studium an einer österreichischen Hochschule abgeschlossen hat, kann die Aufenthaltsbewilligung als "Student oder Studentin" um weitere zwölf Monate verlängern. Damit haben die Absolventen und Absolventinnen Zeit, sich einen Job zu suchen oder ein Unternehmen zu gründen. Wer innerhalb dieser Zeit ein Beschäftigungsangebot von einem konkreten Unternehmen bekommt, kann die Rot-Weiß-Rot - Karte ohne Arbeitsmarktprüfung beantragen. Der Berufseinsteiger bzw. die Berufseinsteigerin muss für die erbrachte Arbeitsleistung ein ortsübliches, monatliches MIndestbruttogehalt zuzüglich Sonderzahlungen beziehen (2019: 2.349 Euro).

Achtung: Die Stelle sollte unbedingt dem Ausbildungsniveau entsprechen! 

Für Absolventen und Absolventinnen einer österreichischen Hochschule ist kein Punktesystem vorgesehen.

Selbständige Schlüsselkräfte

Voraussetzung ist, dass die selbständige Erwerbstätigkeit in Österreich einen Nutzen für die Gesamtwirtschaft darstellt, etwa durch einen nachhaltigen Transfer von Investitionskapital in Höhe von mindestens € 100.000 nach Österreich, durch neue Arbeitsplätze, die Sicherung von bestehenden Arbeitsplätzen, durch einen Transfer von Know-how oder die Einführung neuer Technologien, oder durch wesentliche Bedeutung für eine ganze Region.

Auch für selbständige Schlüsselkräfte ist kein Punktesystem vorgesehen.

Startup Gründungen

Eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Startup-Gründer und Gründerinnen kann beantragt werden, wenn durch die Gründung innovative Produkte, Dienstleistungen, Verfahren oder Technologien entwickelt und in den Markt eingeführt werden, ein schlüssiger Businessplan vorliegt, persönlich ein wesentlicher Einfluss auf die Geschäftsführung ausgeübt wird, das Kapital des zu gründenden Unternehmens mindestens 50.000 Euro beträgt und die Hälfte davon aus Eigenkapital finanziert wird.
Es muss darüber hinaus die erforderliche Mindestpunktezahl (50) laut Punkterechner erreicht werden.

Blaue Karte EU

Die "Blaue Karte EU" ist ein Aufenthaltstitel für besonders hochqualifizierte Akademikerinnen und Akademiker aus Drittstaaten für eine befristete Niederlassung mit beschränktem Arbeitsmarktzugang. Sie ermöglicht einen einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt, schafft günstige Bedingungen für die Familienzusammenführung und den Erwerb des Daueraufenthaltsrechts und erleichtert die Mobilität innerhalb der EU. Inhaberinnen und Inhaber der Blauen Karte EU können, wenn sie innerhalb von 24 Monaten 21 Monate ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt waren, eine Rot-Weiß-Rot – Karte plus beantragen.

Familiennachzug nach Österreich

Folgende Angehörige von unionsrechtlich Aufenthaltsberechtigten, die aus der EU, dem EWR oder der Schweiz kommen und die selbst nicht die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, haben ebenso Anspruch auf unionsrechtlichen Aufenthalt in Österreich:

  • Ehepartner und -partnerinnen oder eingetragene Partner und Partnerinnen
  • Verwandte in gerader, absteigender Linie (Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder) bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und darüber hinaus, sofern diesen Unterhalt gewährt wird
  • Verwandte in gerader, aufsteigender Linie (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) wenn diesen Unterhalt gewährt wird
  • Lebenspartner und Lebenspartnerinnen sofern eine dauerhafte Beziehung nachgewiesen werden kann
  • sonstige Angehörige, die vom unionsrechtlich Aufenthaltsberechtigten bereits im Herkunftsstaat Unterhalt bezogen haben, die mit diesem bereits im Herkunftsstaat in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben oder die aus schwerwiegenden gesundheitlichen Gründen von diesem persönlich gepflegt werden.

Angehörige aus Drittstaaten von unionsrechtlich Aufenthaltsberechtigten sind ebenso unionsrechtlich zum Aufenthalt in Österreich berechtigt und genießen Arbeitnehmerfreizügigkeit. Sie erhalten auf Antrag zunächst eine "Aufenthaltskarte" und nach fünf Jahren ununterbrochenem, rechtmäßigem Aufenthalt eine "Daueraufenthaltskarte", welche auch als Identitätsdokument gilt.

Dies gilt für:

  • Ehepartner- und partnerinnen oder eingetragene Partner und Partnerinnen
  • Verwandte in gerader, absteigender Linie (Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder) bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und darüber hinaus, sofern diesen Unterhalt gewährt wird
  • Verwandte in gerader, aufsteigender Linie (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) wenn diesen Unterhalt gewährt wird

Temporärer Aufenthalt in Österreich

Temporäre Aufenthaltsbewilligungen können Angehörigen von Drittstaaten bei einem vorübergehenden Aufenthalt ohne Niederlassungsabsicht ausgestellt werden. Dies betrifft beispielsweise:

  • Schlüsselarbeitskräfte, die innerhalb eines Unternehmens oder einer Unternehmensgruppe von ihrer Arbeitgeberin oder ihrem Arbeitgeber vorübergehend in einer Niederlassung in Österreich beschäftigt werden sollen "ICT" (Unternehmensintern transferierte Arbeitskräfte)
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Arbeitgebenden aus einem EU-Drittstaat ohne Betriebssitz in Österreich, die zu einer österreichischen Auftraggeberin oder einem Auftraggeberi entsandt werden, um vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen
  • Selbstständige die eine, länger als sechs Monate dauernde selbstständige Tätigkeit ausüben und keine Niederlassungsabsicht haben
  • Forscher und Forscherinnen (es muss eine Aufnahmevereinbarung mit der Forschungseinrichtung vorgelegt werden)
  • Vom Ausländerbeschäftigungsgesetz ausgenommene unselbstständig Beschäftigte , wie z.B. Au-pair-Kräfte (hier ist eine Anzeigebestätigung des Arbeitsmarktservice erforderlich)
  • sowie, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Sozialdienstleistende und Freiwillige in einem entsprechenden Dienst.

Auch im Falle einer temporären Aufenthaltsbewilligung kann teilweise eine Aufenthaltsbewilligung für Familienangehörige beantragt werden. Allerdings kommt diese nur für Ehepartnerinnen- und partner, eingetragene Partnerinnen und Partner (jeweils ab dem vollendeten 21. Lebensjahr) oder für unverheiratete, minderjährige Kinder (auch Adoptivkinder und Stiefkinder) von folgenden Personen mit aufrechter Aufenthaltsbewilligung in Betracht: Unternehmensintern transferierte Arbeitnehmende, Forscherinnen und Forscher, Sonderfälle unselbständiger Erwerbstätigkeit (außer Au pair-Kräfte) und Studierende.

Während der Antrag bei der jeweiligen österreichische Vertretungsbehörde im Ausland (Botschaft oder bestimmte Konsulate) gestellt werden muss, ist für die Erteilung des Aufenthaltstitels die Niederlassungsbehörde des beabsichtigten Wohnsitzes zuständig:

  • der Landeshauptmann bzw. die Landeshauptfrau oder
  • die ermächtigte Bezirksverwaltungsbehörde:
    • die Bezirkshauptmannschaft, bzw.
    • in Statutarstädten: das Magistrat und in Wien die MA 35

Befristete Beschäftigung

Spezielle Anforderungen und Verfahren der Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligungen bzw. der Erteilung von Aufenthaltsvisa gelten für:

  • Saisonarbeitskräfte in den Bereichen Tourismus und Landwirtschaft sowie Erntehelferinnen und - helfer
  • Arbeitskräfte ausländischer Unternehmen, die zur Erfüllung eines Auftrags entsandt werden (Betriebsentsendung)
  • Arbeitskräfte ausländischer Unternehmen, die in den österreichischen Betrieb eingegliedert (grenzüberschreitende Überlassung)
  • Schlüsselarbeitskräfte, die innerhalb des Unternehmens oder der Unternehmensgruppe von ihrer Arbeitgeberin bzw. ihrem Arbeitgeber vorübergehend in einer Niederlassung in Österreich beschäftigt werden (ICT oder mobile ICT)