Österreich: Visum und Arbeitserlaubnis

Prinzipiell gilt in der Europäischen Union die Arbeitnehmerfreizügigkeit, was bedeutet, dass Bürger von EU-Mitgliedsländern bzw. EWR-BürgerInnen und SchweizerInnen jederzeit eine Beschäftigung in jedem anderen Mitgliedsstaat ausüben dürfen.

Brauche ich, um in Österreich arbeiten zu können eine Arbeitserlaubnis?

Am 30.6.2020 läuft auch die Übergangsfrist im Zuge einer Einschränkung dieses EU-Rechts nach der EU-Osterweiterung 2004 für das jüngste Mitgliedsland Kroatien aus. (Bis dahin gelten noch diese Übergangsregelungen des Ausländerbeschäftigungsgesetzes) Ab dann haben alle EU-Bürger freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt, womit die Frage für solche verneint werden kann. Neben den EU-Ländern gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit in Österreich auch für Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

Angehörige von Drittstaaten benötigen, wenn Sie sich länger als sechs Monate in Österreich aufhalten wollen einen Aufenthaltstitel. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten können die sogenannte „Rot-Weiß-Rot – Karte“ beantragen, die sie zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber berechtigt. Der Anspruch auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte wird anhand eines Punktesystems ermittelt. 

Für besonders hochqualifizierte Akademiker gibt es die Möglichkeit, die „Blaue Karte EU“ zu beantragen, für welche bestimmte Voraussetzungen gelten, jedoch kein Punktesystem vorgesehen ist. 

Wer besonders hochqualifiziert und noch auf der Suche nach einem geeigneten Job ist, kann ein Arbeitssuche-Visum beantrage, das zu einem sechsmonatigen Aufenthalt berechtigt um einen Arbeitsplatz zu suchen. 

Unionsrechtliches Aufenthaltsrecht

Für EWR-BürgerInnen und SchweizerInnen gilt Visumsfreiheit. Sie haben das Recht sich für einen Zeitraum von drei Monaten auf österreichischem Bundesgebiet aufzuhalten. Für ein längeres Aufenthaltsrecht gelten folgende Voraussetzungen:

  • eine unselbständig oder selbständig Beschäftigung in Österreich
  • ausreichende Existenzmittel und
  • einen umfassenden Krankenversicherungsschutz für sich und eventuellen Familienangehörige
  • eine Ausbildung bei einer Schule oder Bildungseinrichtung zu absolvieren und
  • für sich und seine Familienangehörigen über eine ausreichende Krankenversicherung und ausreichende Existenzmittel zu verfügen.

Man nennt dieses Aufenthaltsrecht Unionsrechtliches Aufenthaltsrecht.

Ansuchen um Unionsrechtliches Aufenthaltsrecht

Zuständige Behörde ist der der Landeshauptmann oder die von ihm ermächtigte Bezirksverwaltungsbehörde: die Bezirkshauptmannschaft, bzw. in Statutarstädten der Magistrat und in Wien die MA 35. 

Folgende Dokumente sind für den Antrag erforderlich:

  • ausgefülltes und unterzeichnetes Antragsformular
  • ein gültiger Personalausweis oder Reisepass
  • Bestätigung des Arbeitgebers / Nachweis der Selbstständigkeit

oder:

  • Nachweis ausreichender Existenzmittel z.B. durch ein Bankguthaben, Pensionsbezug und umfassenden Krankenversicherungsschutz

oder:

  • Nachweis, dass eine Schule oder Bildungseinrichtung besucht wird. (Auch in diesem Fall müssen ein umfassender Krankenversicherungsschutz sowie ausreichende Existenzmittel nachgewiesen werden)

 

Auf Verlangen der Behörde müssen gegebenenfalls noch weitere Urkunden wie zum Beispiel ein aktueller Strafregisterauszug vorgelegt werden. Es kann zur Beschleunigung des Verfahrens beitragen ein solches bereits der Antragstellung beizulegen.

Familiennachzug nach Österreich

Folgende Angehörige aus der EU, dem EWR oder der Schweiz von in Österreich unionsrechtlich Aufenthaltsberechtigten, die selbst nicht die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, haben ebenso Anspruch auf unionsrechtlichen Aufenthalt in Österreich:

  • EhegattInnen oder eingetragene PartnerInnen
  • Verwandte in gerader, absteigender Linie (Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder) bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und darüber hinaus, sofern diesen Unterhalt gewährt wird
  • Verwandte in gerader, aufsteigender Linie (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) wenn diesen Unterhalt gewährt wird
  • LebenspartnerInnen sofern einer dauerhaften Beziehung nachgewiesen werden kann
  • sonstige Angehörige, die vom unionsrechtlich Aufenthaltsberechtigten bereits im Herkunftsstaat Unterhalt bezogen haben, die mit diesem bereits im Herkunftsstaat in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben oder die aus schwerwiegenden gesundheitlichen Gründen von diesem persönlich gepflegt werden.

Angehörige aus Drittstaaten von unionsrechtlich Aufenthaltsberechtigten sind ebenso unionsrechtlich zum Aufenthalt in Österreich berechtigt und genießen Arbeitnehmerfreizügigkeit. Sie erhalten auf Antrag zunächst eine "Aufenthaltskarte" und nach fünf Jahren ununterbrochenem rechtmäßigem Aufenthalt eine "Daueraufenthaltskarte", welche auch als Identitätsdokument gilt.

Dies gilt für:

  • EhegattInnen oder eingetragene PartnerInnen
  • Verwandte in gerader, absteigender Linie (Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder) bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres und darüber hinaus, sofern diesen Unterhalt gewährt wird
  • Verwandte in gerader, aufsteigender Linie (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) wenn diesen Unterhalt gewährt wird

Visa und Aufenthaltstitel für Drittstaatsangehörige

Ab einem Aufenthalt von mehr als sechs Monaten benötigen Angehörige von Drittstaaten einen Aufenthaltstitel. Für kürzere Aufenthalte muss ein Visum beantragt werden.

Aufenthalte bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen sind für bestimmte Drittstaatsangehörige auch ohne Visum möglich.

Prinzipiell wird bei nicht EU-Bürgern zwischen Dauerhafter Zuwanderung, temporärem Aufenthalt und befristeter Beschäftigung unterschieden.

Rot-Weiß-Rot – Karte

Das kriteriengeleitete Zuwanderungsmodell Österreichs sieht es vor, dass qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten eine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen können. Sie ist für 24 Monate gültig und berechtigt zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber.
Für Familienangehörige gibt es hingegen die Möglichkeit zum Zweck der Familienzusammenführung die Rot-Weiß-Rot – Karte Plus zu beantragen.
Die Rot-Weiß-Rot – Karte wird für 24 Monate ausgestellt. Sie berechtigt zur befristeten Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem/einer bestimmten ArbeitgeberIn.
Der Anspruch auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte wird anhand eines Punktesystems ermittelt. Hier können Sie mithilfe eines Kalkulators ermitteln, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen -> Punkterechner

Was sind die allgemeinenen Voraussetzungen für die Rot-Weiß-Rot-Karte?

  • ein Gesicherter Lebensunterhalt: Einkünfte zumindest in der Höhe des jeweils maßgeblichen Ausgleichszulagenrichtsatzes (für Alleinstehende: € 933,06, für Ehepaare: € 1.398,97, für jedes Kind: zusätzlich € 143,97)
  • eine Krankenversicherung, die alle Risiken abdeckt und in Österreich leistungspflichtig ist. 
  • eine ortsübliche Unterkunft (z.B. aufgrund eines Mietvertrages)
  • dass keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit besteht oder die Beziehungen Österreichs zu anderen Staaten wesentlich beeinträchtigt werden.

Folgende Personengruppen können unter bestimmten Voraussetzungen eine Rot-Weiß-Rot – Karte erhalten:

Besonders Hochqualifizierte

Diese können entweder über ein Arbeitssuche-Visum nach Österreich einreisen und dort vor Ort Arbeit suchen und bei Erhalt eines Beschäftigungsangebot schließlich eine Rot-Weiß-Rot – Karte bei der zuständigen Aufenthaltsbehörde in Österreich beantragen, oder, wenn bereits ein Arbeitsplatzangebot vorliegt, direkt eine Rot-Weiß-Rot – Karte bei der österreichischen Vertretungsbehörde im Heimatstaat oder dem Staat, der aktuellen Niederlassung beantragen.
Für besonders hochqualifizierte Akademiker gibt es außerdem noch die Möglichkeit, der „Blauen Karte EU“.

Inhaber eines Arbeitssuche-Visum

Staatsangehörige von Drittstaaten mit besonders hohen Qualifikationen können für sechs Monate ein Aufenthaltsvisum beantragen, um während dieser Zeit nach einem Job zu suchen. Als Voraussetzung müssen dafür mindestens 70 Punkte laut dem entsprechenden Punkterechner erzielt werden.

Fachkräfte in Mangelberufen

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Mangelberuf (bundesweiten Mangelberufe und regionalen Mangelberufe für 2020) laut Verordnung, ein verbindliches Arbeitsplatzangebot in Österreich, das erreichen der erforderlichen Mindestpunkt laut Punkterechner (55 Punkte).

Mangelberufslisten werden abhängig von der Entwicklung des österreichischen Arbeitsmarktes vom Bundesministerium für Arbeit im Einvernehmen mit dem Wirtschaftsministerium bekanntgegeben. Dabei wird unterschieden in bundesweite Mangelberufe und regionale Mangelberufe.

Sonstige Schlüsselkräfte

Wer auf Grund seiner Qualifikationen eine Stelle als Schlüsselkraft in einem Unternehmen einnehmen soll, kann eine Rot-Weiß-Rot – Karte beantragen, wenn:

  • das Unternehmen den gesetzlich festgelegten Mindestentgelt zahlt (2019: 3.132 Euro brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen für über 30-Jährige und 2.610 Euro brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen für unter 30-Jährige)
  • keine gleich qualifizierten Arbeitskräfte beim AMS arbeitsuchend vorgemerkt sind,
  • und die erforderlichen Mindestpunkte laut Punkterechner erreicht werden (55).

Studienabsolventinnen einer österreichischen Hochschule

Absolventen eines Studiums an einer österreichischen Hochschule, können Ihre Aufenthaltsbewilligung als "Student" um zwölf Monate verlängern, um in Österreich eine Arbeit zu suchen oder um ein Unternehmen zu gründen. Kommt es innerhalb dieser Zeit zu einem dem Ausbildungsniveau entsprechenden Beschäftigungsangebot eines konkreten Unternehmens (Arbeitsvertrag) kann Rot-Weiß-Rot – Karte ohne Arbeitsmarktprüfung beantragen, sofern ein für Berufseinsteiger ortsüblicher monatlicher Mindestbruttoentgelt bezogen wird (2019 2.349 Euro brutto zuzüglich Sonderzahlungen und die allgemeinen Voraussetzungen (Ankerpunkt dort hin) erfüllt werden.

Für Absolventinnen einer österreichischen Hochschule ist kein Punktesystem vorgesehen.

Selbständige Schlüsselkräfte

Voraussetzung ist, dass die selbständige Erwerbstätigkeit in Österreich einen Nutzen für die Gesamtwirtschaft darstellt, etwa durch einen nachhaltigen Transfer von Investitionskapital in Höhe von mindestens € 100.000 nach Österreich, durch neue Arbeitsplätze die Sicherung von bestehenden, durch einen Transfer von Know-how oder die Einführung neuer Technologien, oder durch wesentliche Bedeutung für eine ganze Region.

Auch für selbständige Schlüsselkräfte ist kein Punktesystem vorgesehen.

Startup GründerInnen

Eine Rot-Weiß-Rot – Karte für Startup-Gründer kann beantragt werden, wenn durch die Gründung innovative Produkte, Dienstleistungen, Verfahren oder Technologien entwickelt und in den Markt eingeführt werden, ein schlüssigen Businessplan vorliegt, persönlich wesentlicher Einfluss auf die Geschäftsführung ausgeübt wird, das Kapital des zu gründenden Unternehmens mindestens 50.000 Euro beträgt und die Hälfte davon aus Eigenkapital finanziert wird.
Es muss darüber hinaus die erforderliche Mindestpunktezahl (50) laut Punkterechner erreicht werden.

Blaue Karte EU

Die "Blaue Karte EU" ist ein Aufenthaltstitel für besonders hochqualifizierte Akademiker aus Drittstaaten, für eine befristete Niederlassung mit beschränktem Arbeitsmarktzugang. Sie ermöglicht einen einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt, schafft günstige Bedingungen für die Familienzusammenführung und den Erwerb des Daueraufenthaltsrechts und erleichtert die Mobilität innerhalb der EU. InhaberInnen der Blauen Karte EU können, wenn sie innerhalb von 24 Monate 21 Monate ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt waren eine Rot-Weiß-Rot – Karte plus beantragen. -> Nähre Informationen zu Voraussetzungen und Bedingungen 

Temporärer Aufenthalt in Österreich

Temporäre Aufenthaltsbewilligungen können Angehörigen von Drittstaaten bei einem vorübergehenden Aufenthalt ohne Niederlassungsabsicht ausgestellt werden. Dies betrifft beispielsweise:

  • Schlüsselarbeitskräfte, die innerhalb eines Unternehmens oder einer Unternehmensgruppe von ihrem Arbeitgeber vorübergehend in einer Niederlassung in Österreich beschäftigt werden sollen "ICT" (Unternehmensintern transferierte Arbeitnehmer)
  • Mitarbeiter von Arbeitgebern aus einem EU-Drittstaat ohne Betriebssitz in Österreich, die zu einem österreichischen Auftraggeber entsandt werden, um vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen
  • Selbstständige die eine länger als sechs Monate dauernde selbstständige Tätigkeit ausüben und keine Niederlassungsabsicht haben
  • Forscher (es muss eine Aufnahmevereinbarung mit der Forschungseinrichtung vorgelegt werden)
  • Vom Ausländerbeschäftigungsgesetz ausgenommene unselbstständig Beschäftigte , wie z.B. Au-pair-Kräfte (hier ist eine Anzeigebestätigung des Arbeitsmarktservice erforderlich)
  • sowie, Schüler, Studenten, Sozialdienstleistende und Erbringer eines Freiwilligendienstes.

Auch im Falle einer temporären Aufenthaltsbewilligung kann teilweise eine Aufenthaltsbewilligung für Familienangehörige beantragt werden. Allerdings kommt diese kommt nur für EhegattInnen, eingetragene PartnerInnen (jeweils ab dem vollendeten 21. Lebensjahr) oder für unverheiratete minderjährige Kinder (auch Adoptivkinder und Stiefkinder) von folgenden Personen mit aufrechter Aufenthaltsbewilligung in Betracht: Unternehmensintern transferierte Arbeitnehmer, Forscher, Sonderfälle unselbständiger Erwerbstätigkeit (außer Au pair-Kräfte) und Studenten.

Während der Antrag bei der jeweiligen österreichische Vertretungsbehörde im Ausland (Botschaft oder bestimmte Konsulate) gestellt werden muss, ist für die Erteilung des Aufenthaltstitels die Niederlassungsbehörde des beabsichtigten Wohnsitzes zuständig:
der Landeshauptmann oder die von ihm ermächtigte Bezirksverwaltungsbehörde: die Bezirkshauptmannschaft, bzw. in Statutarstädten: der Magistrat und in Wien die MA 35.

Befristete Beschäftigung

Spezielle Anforderungen und Verfahren der Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligungen bzw. der Erteilung von Aufenthaltsvisa gelten für:

  • Saisonarbeitskräfte in den Bereichen Tourismus und Landwirtschaft sowie ErntehelferInnen
  • Arbeitskräfte ausländischer Unternehmen, die zur Erfüllung eines Auftrags entsandt werden (Betriebsentsendung)
  • Arbeitskräfte ausländischer Unternehmen, die in den österreichischen Betrieb eingegliedert
  •  (grenzüberschreitende Überlassung)
  • Schlüsselarbeitskraft, die innerhalb des Unternehmens oder der Unternehmensgruppe von Ihrem Arbeitgeber vorübergehend in einer Niederlassung in Österreich beschäftigt werden (ICT oder mobile ICT)