Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Aufgrund der Freizügigkeit von Personen und Dienstleistungen dürfen Fachkräfte innerhalb der EU prinzipiell grenzüberschreitend arbeiten bzw. ihren Beruf ausüben oder Dienstleistungen anbieten. Für bestimmte sogenannte "reglementierte Berufe" ist jedoch eine spezielle Qualifikation bzw. ein Titel erforderlich. Die Anforderungen können dabei von Land zu Land variieren.

Was sind reglementierte Berufe?

Um einen reglementierte Beruf selbsständig ausüben zu können, muss die Person eine bestimmte Qualifikation bzw. einen Titel aufweisen. Welche Berufe reglementiert sind und welche Anforderungen für ihre Ausübung erforderlich sind, ist in der EU unterschiedlich. Qualifizierte Fachkräfte, die sich für Stellen in anderen EU-Ländern bewerben wollen, müssen sich daher erst darüber informieren, welche Bedingungen erfüllt werden müssen.

Hintergrund

Gesetzliche Grundlage für die Anerkennung von Qualifikationen in der EU ist die Richtlinie 2005/36/EG. Sie gilt für reglementierte Berufe, wie Krankenpflege, Hebammen, Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte und Apothekerinnen und Apotheker, Architektinnen und Architekten und  sowie Veterinärmedizinerinnen und - mediziner.  Für Berufe, deren Anerkennung durch eigene Rechtsvorschriften geregelt ist, wie z.B. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Seeleute, Versicherungsvermittlerinnen und Versicherungsvermittler, Fluglotsinnen und Fluglotsen sowie einige andere Berufe findet sie keine Anwendung.

Um einen Überblick über die reglementierten Berufe in der EU und den Zugang zu diesen Berufsgruppen zu bekommen, hat jedes EU-Land eine Liste seiner reglementierten Berufe erstellt. Anschließend wurde eine gegenseitige Bewertung der Bedingungen für den Zugang zu den Berufen vorgenommen.

Ziel war es, einen einfacheren Zugang zu den Informationen über reglementierte Berufe in den EU-Ländern zu schaffen. 

Es wurde außerdem eine Datenbank mit einer aktuellen Liste der reglementierten Berufe erstellt, die auch Informationen über die Voraussetzungen der Berufsausübung in den einzelnen EU- und EWR-Ländern sowie der Schweiz beinhaltet: Regulated professions database

Eine interaktive Karte zeigt darüber hinaus eine Verteilung der reglementierten Berufe nach Wirtschaftszweig in den einzelnen Ländern.

Die European Professional Card (EPC)

Seit dem 18. Januar 2016 gilt für vorerst fünf Berufe (Krankenpflege, Physiotherapeutinnen - und therapeuten, Apothekerinnen und Apotheker, Immobilienmaklerinnen und -makler sowie Bergführerinnen und Bergführer) die European Professional Card (EPC). Dabei handelt es sich um ein elektronisches Zertifikat, das über ein EU-weites Online-Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen ausgestellt wird. Es könnte in Zukunft auch auf andere Berufe ausgeweitet werden.

Anlaufstellen für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen (ASTen)

Damit die Qualifikationen, die eine Person (aus einem EU- oder EWR Staat bzw. aus einem Drittstaat) vorweist auch anerkannt werden, ist es wichtig sich rechtzeitig bei der zuständigen Stelle in Österreich zu informieren. So können gegebenenfalls rechtzeitig entsprechende Maßnahmen für die Anrechnung von diesen getroffen werden und die Ausübung des Berufs verzögert sich nicht unnötig.

Es gibt in Österreich insgesamt vier Anlaufstellen, die für die Anerkennung und Bewertung von im Ausland erworbenen Qualifikationen zuständig sind. Sie befinden sich in Wien, Linz, Graz und Innsbruck. Darüber hinaus finden wöchentliche Sprechtage in allen weiteren Landeshauptstädten Österreichs statt. 

  • AST Wien, AST Niederösterreich und Nordburgenland sowie die Koordination der Anlaufstellen (AST-Koordination) beim Beratungszentrum für Migrantinnen und Migranten in Wien 
  • AST Oberösterreich und Salzburg bei migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ in Linz
  • AST Steiermark, Kärnten und Südburgenland bei ZEBRA – Interkulturelles Beratungs- und Therapiezentrum in Graz und 
  • AST Tirol und Vorarlberg bei ZeMiT – Zentrum für Migrantinnen und Migranten in Tirol in Innsbruck

Mit dem Ziel eine qualifikationsadäquate Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, wird im Sinne des  § 5 Anerkennungs- und Bewertungsgesetzes (AuBG) eine kostenlose mehrsprachige Information, Beratung und Begleitung im gesamten Anerkennungs- bzw. Bewertungsverfahren angeboten.

Dabei wird zunächst abgeklärt, ob eine formale Anerkennung notwendig bzw. möglich ist. Gegebenenfalls werden beglaubigte Übersetzungen von Diplomen und Zeugnissen eingeholt. Es wird Unterstützung bei der Beantragung von Bewertungen und falls erforderlich im Anerkennungsprozess angeboten. Darüber hinaus wird über weiterführende Bildungs- und Beratungsmöglichkeiten informiert. Sollte eine Anerkennung nicht möglich sein, werden von der zuständigen AST-Beraterin bzw. dem Berater Alternativen ausgearbeitet und falls erforderlich, der Kontakt zu Kooperationspartnern oder - partnerinnen hergestellt.

Der kostenlose Service der ASTen steht in Österreich wohnhaften Personen zur Verfügung, die im Ausland berufliche Qualifikationen erworben haben, welche über die Pflichtschule hinausgehen. Das Beratungsangebot richtet sich an Personen, die grundsätzlich Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt haben, ist jedoch unabhängig von deren Beschäftigungsstatus (arbeitslos, berufstätig), Staatsbürgerschaft oder Herkunft.

Ziel ist es die individuellen Potenziale von qualifizierten Personen aus dem Ausland zu fördern und damit wertvolle Fachkräfte für den österreichischen Arbeitsmarkt zu sichern. 

Nähere Informationen unter www.anlaufstelle-anerkennung.at