Brexit

Wichtige Informationen zum Brexit - Das ändert sich für Sie in Österreich (Stand: 8.2.2021)

Mit dem 31.1. 2020 hat das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlassen. Die Regeln rund um das Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU sind mit 1.1. 2021 in Kraft getreten. Informieren Sie sich hier über die Neuerungen, die sich dadurch für österreichische Arbeitgeber, britische Beschäftigte, Studierende und deren Angehörige ergeben.

Informationen für Unternehmen mit britischen Beschäftigten bzw. deren Angehörige

Die britische Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer muss bis zum 31.12.2021 den Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ beantragen. Damit ist sie oder er weiterhin berechtigt in Ihrem Unternehmen zu arbeiten.
Wenn der Aufenthaltstitel bis zum Fristende am 31.12.2021 beantragt wurde, aber zu diesem Zeitpunkt noch von der Behörde bearbeitet wird, ist die britische Arbeitnehmerin bzw. der britische Arbeitnehmer weiterhin berechtigt in Österreich zu wohnen und zu arbeiten.

 

Beispiel: Der Brite John Smith wohnt seit 2017 in Österreich und ist beim Grazer Unternehmen ABC GmbH angestellt. Er hat bis 31.12.2021 Zeit, den Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ bei der zuständigen Grazer Behörde zu beantragen. Bis zu diesem Zeitpunkt kann er weiterhin für die ABC GmbH arbeiten.

John Smith stellt seinen Antrag am 10.12.2021. Am 31.12.2021 hat er den neuen Aufenthaltstitel von der Grazer Behörde noch nicht bekommen. Für John Smith ändert sich nichts. Solange er die Antragsfrist einhält, kann er weiterhin für die ABC GmbH arbeiten.


Beispiel: Die Russin Irina Tolkova ist seit 2015 mit dem Briten John Smith verheiratet. Das Ehepaar wohnt seit 2019 in Salzburg. Irina Tolkova arbeitet seit 2019 für das Salzburger Unternehmen ABC GmbH. Ihr Ehemann hatte bisher eine Anmeldebescheinigung, Irina Tolkova eine Aufenthaltskarte. Das Ehepaar hat bis 31.12.2021 Zeit den Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ bei der zuständigen Salzburger Behörde zu beantragen. Bis zu diesem Zeitpunkt, während des Verfahrens und nach Erhalt dieses neuen Aufenthaltstitels kann Irina Tolkova weiter für die die ABC GmbH arbeiten.


Nur so darf sie bzw. er in Österreich leben und arbeiten. Wenn es sich um eine hochqualifizierte Person handelt und Sie Fragen zu möglichen Aufenthaltstiteln haben, kontaktieren Sie gerne die ABA-Servicestelle Einwanderung und Aufenhalt..


Informationen für britische Staatsangehörige

Wenn Sie bereits eine Anmeldebescheinigung bekommen haben, weist dies ihr unionsrechtliches Aufenthaltsrecht nach. Sie haben noch keine Anmeldebescheinigung? In diesem Fall müssen Sie in anderer Form nachweisen, dass Sie eingereist sind, um in Österreich zu leben, zu arbeiten oder zu studieren.


Beispiel: Die Britin Katherine Taylor ist seit 2010 freie Architektin in Wien. Weil sie schon vor 31.12.2020 in Österreich gelebt hat, hat sie Sonderstatus. Sie kann also weiterhin als freie Architektin arbeiten. Sie muss ihr Gewerbe nicht abmelden oder ruhend stellen. Bis zum 31.12.2021 hat Frau Taylor Zeit, um bei der zuständigen Wiener Behörde einen Antrag auf Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ zu stellen.


2. Sie sind britische Staatsangehörige bzw. britischer Staatsangehöriger mit „Sonderstatus“ und gehen keiner Erwerbstätigkeit nach. Dann müssen Sie nachweisen, dass sie für sich und ihre Familienangehörigen über ausreichende Existenzmittel verfügen. Während Ihres Aufenthalts müssen Sie also keine Sozialhilfeleistungen in Österreich beanspruchen. Sie können zum Beispiel Nachweise über Ersparnisse vorlegen. Zusätzlich müssen Sie belegen, dass Sie und Ihre Familienangehörigen über einen umfassenden Krankenversicherungsschutz in Österreich verfügen. Legen Sie dafür z.B. Kopien der e-cards vor.

3. Sie sind britische Staatsangehörige bzw. britischer Staatsangehöriger mit „Sonderstatus“ und studieren in Österreich. Nähere Informationen finden Sie auf der Website des Österreichischen Austauschdienstes OeAD .

Für die Erlangung des Aufenthaltstitels „Artikel 50 EUV“ für britische Staatsangehörige, gelten im Wesentlichen dieselben Voraussetzungen, die EU-Bürgerinnen bzw. EU-Bürger für eine Anmeldebescheinigung erfüllen müssen.


Sie können also zum Beispiel (weiterhin) in Österreich angestellt sein oder Ihr Gewerbe ausüben.


Der Antrag ist persönlich bei der zuständigen Behörde (in Österreich) zu stellen. In Wien ist die Magistratsabteilung 35 dafür zuständig. Vereinbaren Sie hier online einen Termin


Grundsätzlich ist Ihr Aufenthalt in Österreich bis zur Entscheidung der Behörde über Ihren Antrag auf den Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ rechtmäßig. Bei der Antragstellung wird offiziell bestätigt, dass Ihr Aufenthalt in Österreich bis zu Entscheidung rechtmäßig ist.


Das Recht auf Daueraufenthalt haben britische Staatsangehörige in der Regel bekommen, wenn Sie sich über fünf Jahre rechtmäßig in Österreich aufgehalten haben. Wenn Sie also schon seit mehr als fünf Jahren durchgängig in Österreich gelebt haben, kommen Sie für den 10 Jahre gültigen Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ in Frage. Wichtig dabei ist, dass in diesen fünf Jahren durchgehend die Voraussetzungen für ein „unionsrechtliches Aufenthaltsrecht“ in Österreich erfüllt wurden (z.B. eine durchgehende Erwerbstätigkeit oder ausreichende Existenzmittel und Krankenversicherung in den letzten 5 Jahren).

Beispiel: Der Brite John Smith wohnt seit 2005 in Österreich und arbeitet seitdem für das Klagenfurter Unternehmen ABC GmbH. Er hat bis zum 31.12.2021 Zeit, um bei der zuständigen Klagenfurter Behörde den Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ zu beantragen. Weil er schon seit mehr als fünf Jahren in Österreich lebt, wird sein Aufenthaltstitel 10 Jahre gültig sein.


Wenn Sie hochqualifiziert sind und in Österreich leben und arbeiten wollen, kontaktieren Sie bei weiteren Fragen gerne die ABA Servicestelle Einwanderung und Aufenthalt.

Britische Staatsangehörige sind weiterhin von der Visumspflicht befreit. Das bedeutet auch, dass Sie Ihren Antrag auf Aufenthaltstitel in Österreich stellen können, wenn Sie noch visumsfreie Tage haben.

Beispiel: Die Britin Katherine Taylor hat bisher in Großbritannien gelebt. Im Jänner 2021 hat sie ein Jobangebot von dem Innsbrucker Unternehmen ABC GmbH erhalten. Sie will dauerhaft nach Österreich ziehen. Ohne  ein besonderes Visum reist sie nach Österreich ein und stellt ihren Antrag auf eine Rot-Weiß-Rot – Karte direkt bei der Innsbrucker Behörde. Sie darf erst anfangen, für die ABC GmbH zu arbeiten, wenn sie die Rot-Weiß-Rot – Karte bei der Behörde abgeholt hat.


  • Britische Staatsangehörige, die vor dem 31.12.2020 in Österreich gelebt haben (britische Staatsangehörige mit „Sonderstatus“)
     
  • Familienangehörige (Ehefrau/Ehemann/Kind/etc.) – egal welcher Staatsangehörigkeit – von britischen Staatsangehörigen mit „Sonderstatus“, die selbst auch bereits vor dem 31.12.2020 in Österreich gelebt haben
     
  • Familienangehörige (Ehefrau/Ehemann/Kind/etc.) – egal welcher Staatsangehörigkeit – von britischen Staatsangehörigen mit „Sonderstatus“, die selbst nicht bereits vor dem 31.12.2020 in Österreich gelebt haben, die aber bereits vor dem 31.12.2020 Familienangehörige waren
     
  • Neugeborene (leibliche) Kinder sowie adoptierte Kinder – egal welcher Staatsangehörigkeit – von britischen Staatsangehörigen mit „Sonderstatus“
     
  • Lebenspartnerinnen und Lebenspartner – egal welcher Staatsangehörigkeit – von britischen Staatsangehörigen mit „Sonderstatus“, die sich selbst ebenfalls bereits vor dem 31.12.2020 in Österreich aufgehalten haben.

Grundsätzlich gelten Sie aber als Drittstaatsangehörige bzw. Drittstaatsangehöriger. Daher müssen Sie die Voraussetzungen erfüllen, die das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz vorsieht.


Informationen für Angehörige von britischen Staatsangehörigen

Legen Sie dem Antrag Reisepass und Geburtsurkunde des Kindes bei. Sie müssen außerdem nachweisen, dass Sie britische Staatsangehörige bzw. Staatsangehöriger mit „Sonderstatus“ sind.

Dies gilt auch für adoptierte Kinder. Nachgeborene Stiefkinder bzw. Kinder von Ehegatten oder eingetragenen Partnerinnen bzw. Partnern fallen nicht darunter. Bei Adoption von Kindern über 21 Jahren ist dem Antrag zusätzlich zur Adoptionsurkunde ein Nachweis über die Zahlung von Unterhalt beizulegen.

 

Beispiel: Die Britin Katherine Taylor und der Brite John Smith leben seit 2018 in Bregenz und bekommen im Februar 2021 ein Kind. Das Kind erhält ebenfalls die britische Staatsangehörigkeit. Die Eltern haben bis 31.12.2021 Zeit, um für sich und ihr Kind bei der zuständigen Bregenzer Behörde den Antrag auf Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ zu beantragen. Während dieser Zeit können sie zu dritt weiter in Österreich leben.


Legen Sie dem Antrag die Heirats- oder Partnerschaftsurkunde sowie die Anmeldebescheidung der oder des britischen Staatsangehörigen bei.


Für die Antragstellung brauchen Sie insbesondere die Anmeldebescheidung der bzw. des britischen Staatsangehörigen. Sie benötigen außerdem Nachweise über die familiäre Beziehung (Geburtsurkunde, Adoptionsurkunde, Unterhaltsnachweise, etc.).


Sie können einen Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ erhalten, wenn Sie nun Ihren Wohnsitz (Lebensmittelpunkt) nach Österreich verlegen wollen. Der Antrag ist bis zum 31.12.2021 zu stellen oder innerhalb von drei Monaten nach Ankunft in Österreich – je nachdem, welche Frist später endet. Für die Antragstellung brauchen Sie insbesondere die Heirats- oder Partnerschaftsurkunde und die Anmeldebescheidung der bzw. des britischen Staatsangehörigen.

Beispiel: Die Russin Irina Tolkova ist seit 2020 mit der Britin Katherine Taylor verpartnert. Katherine Taylor lebt seit 2010 in Innsbruck. Irina Tolkova hat bisher in Berlin gelebt und möchte jetzt zu ihrer Partnerin nach Innsbruck ziehen. Sie reist am 1.12.2021 nach Österreich ein und meldet ihren Hauptwohnsitz in Innsbruck an. Sie hat ab dem 1.12.2021 drei Monate Zeit, um ihren Antrag auf Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ bei der zuständigen Innsbrucker Behörde einzubringen. Katherine Taylor hat bis zum 31.12.2021 Zeit, um ihren Antrag auf Aufenthaltstitel „Artikel 50 EUV“ bei der zuständigen Innsbrucker Behörde einzubringen, weil sie schon seit 2010 in Österreich lebt.


Für die Antragstellung brauchen Sie insbesondere eine Anmeldebescheidung der bzw. des britischen Staatsangehörigen (wenn es diese gibt) und einen Nachweis über die familiäre Beziehung (Geburtsurkunde, Adoptionsurkunde, Unterhaltsnachweise, etc.).


Für die Antragstellung brauchen Sie insbesondere Ihren bisherigen Aufenthaltstitel „Niederlassungsbewilligung – Angehörige“ (§ 56 NAG).


Ihre Partnerin bzw. Ihr Partner muss außerdem jedenfalls eine Haftungserklärung abgeben.


Das bedeutet, Sie gelten als Familienangehörige eines Drittstaatsangehörigen. Wenn Sie hochqualifiziert sind und nach Österreich einwandern wollen, kontaktieren Sie bei weiteren Fragen zu Ihren Möglichkeiten gerne die ABA Servicestelle Einwanderung und Aufenthalt.


Dieser ist fünf (oder zehn) Jahre gültig. Alternativ kann sie oder er außerdem als Angehörige bzw. Angehöriger einer EWR-Bürgerin bzw. eines EWR-Bürgers eine sogenannte „Aufenthaltskarte“ erhalten.

Für Sie selbst gibt es keine Änderungen. Wenn Sie alle Voraussetzungen erfüllen, erhalten Sie eine Anmeldebescheinigung. Sollten Sie schon eine Anmeldebescheinigung haben, müssen Sie nichts ändern.


Als Ehefrau bzw. Ehemann (bzw. eingetragene Partnerin oder Partner) von EWR-Bürgerinnen bzw. Bürgern können Drittstaatsangehörige eine sogenannte „Aufenthaltskarte“ erhalten, wenn sie alle Voraussetzungen erfüllen.

Für Sie selbst gibt es keine Änderungen. Wenn Sie alle Voraussetzungen erfüllen, erhalten Sie eine Anmeldebescheinigung Sollten Sie schon eine Anmeldebescheinigung haben, müssen Sie nichts ändern.


Ihre Lebenspartnerin bzw. Ihr Lebenspartner kann eine „Niederlassungsbewilligung“ erhalten, mit der sie oder er selbstständig in Österreich tätig sein kann. Für diese „Niederlassungsbewilligung“ muss sie oder er bestimmte Voraussetzungen (z.B. Deutschkenntnisse) erfüllen. Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie gerne die ABA Servicestelle Einwanderung und Aufenthalt.


Bitte beachten Sie, dass die Austrian Business Agency/Work in Austria trotz sorgfältiger Recherche die Richtigkeit dieser Angaben nicht garantiert und dafür auch in keinster Form haftet. Die Ausführungen erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Austrian Business Agency/Work in Austria ist keine Behörde und nimmt weder Anträge auf Aufenthaltstitel entgegen noch entscheidet sie über Anträge auf Aufenthaltstitel. Wenn Sie weitere Informationen bzw. Beratung zu Einwanderung und Aufenthalt benötigen, kontaktieren Sie uns jederzeit gerne.

Kostenlose Beratung für Fachkräfte

Die ABA - Servicestelle für Einwanderung und Aufenthalt bietet kostenfreie Beratung für Fachkräfte im staatlichen Auftrag